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Ein Inder entdeckt Wuppertals Kreativität

Ein Inder entdeckt Wuppertals Kreativität

Der Kosmopolit lebte vier Wochen lang im "Ort" - und schwärmt von den musikalischen Begegnungen.

Wuppertal. Der Duft von Räucherstäbchen zieht durch Peter Kowalds "Ort" an der Luisenstraße. Anfang März hat hier Ganesh Anandan für vier Wochen als "Artist in Residence" Quartier bezogen.

Eine gute Zeit für ihn, die jetzt zu Ende geht. "Es hat viele wunderbare musikalische Begegnungen gegeben", freut sich der indische Percussionist. Mit Wohnsitzen in Indien, Montreal und Prag ist er große Metropolen gewohnt - aber die Überschaubarkeit von Wuppertal hat er trotz Dauerregens schätzen gelernt: "Es gibt so viele kreative Menschen hier", staunt er. "Und sie bilden alle eine Art von Community."

In einer großen Stadt gäbe es so etwas nicht, ist seine Erfahrung. So war es für ihn leicht, über die Peter Kowald Gesellschaft Kontakte zu knüpfen, bei Sessions und Konzerten in Wuppertal aber auch in Münster, Brüssel und Gent mitzumachen. Wer sein sensationelles "Antrittskonzert" mit dem schwedischen Duo Jernberg/Grip in der Galerie Epikur gehört hat, wird sich allerdings kaum wundern, dass ihm alle Türen offen standen - hat es doch eindrucksvoll gezeigt, mit was für einem Ausnahmemusiker man es zu tun hat.

Dafür ließ er zunächst auch sein Heimatland hinter sich: Als 24-Jähriger ging er nach Kanada, arbeitete vier Jahre in einer Fabrik, um seine Familie zu unterstützen, und suchte einen neuen Zugang zur Musik: "Für mich war es eine große Offenbarung, die klassische Technik auf etwas anderem als den traditionellen Instrumenten zu spielen."

Wenn Ganesh Musik macht, dann ist das für ihn immer ein Dialog: "Das Alte erkennt sich im Neuen, das Neue im Alten." Und Neues entdeckt er ständig. Sein zweiter wichtiger Bereich neben der reinen Percussion ist das Entwickeln und Bauen von Instrumenten. "Shrutistick" heißt so eine Erfindung, ein elektronisch verstärktes Saiteninstrument, das einen Kosmos von Klängen hervorbringt. Mit Hilfe von kleinen Metallklammern lässt es sich genau auf bestimmte Tonleitern einstellen. Mit Fingern, Hölzern, Geigenbogen oder Stäbchen bearbeitet, klingt es mal nach indischer Sitar, mal nach elektrischer Gitarre, afrikanischer Gnawa oder gar nach metallenen Gongs.

Wie das Klangbild bei einem Konzert genau aussehen wird, bleibt auch für Anandan selbst zu einem Teil immer eine Überraschung. Erleben kann man es morgen um 20 Uhr beim Abschlusskonzert im "Ort".

Abschlusskonzert Der "Artist in Residence" musiziert morgen mit den Wuppertaler Künstlern Christoph Irmer (Violine), Chun-Hsien Wu (Tanz) und Wasiliki Noulesa (Video). Das Konzert beginnt um 20 Uhr an der Luisenstraße 116.