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Ein Hauch chinesischer Exotik in der Wuppertaler Sophienkirche

Abschlussprojekt : Ein Hauch chinesischer Exotik in der Kirche

Künstler Kenbo beendete sein Projekt im Ort mit großem Programm in der Sophienkirche.

Zur Besonderheit eines Stadtsohns wie Peter Kowald kommt in Wuppertal noch ein geografischer Aspekt: die Nähe zu einer Kirche, der Sophienkirche. Ganz und gar ungewöhnlich in den Kulissen eines Gotteshauses, gab es hier eine Performance mit „Löwentanz“ – nicht zum ersten Mal in der Tradition von Kowalds freier, eigener Kunst: „In memoriam Global Village“ und dem Künstler Kenbo brachten mehr als einen Schuss Exotik – ein riesiger chinesischer Löwe wird hier sonst kaum schon einmal getanzt haben.

Kenbo war für einen Monat „artist in residence“ im Ort: Er hatte den Raum also künstlerisch in Beschlag genommen und das Ergebnis nun präsentiert; nebenher gab er über die Zeit Kurse zu Tee und Kalligrafie. Der Auftritt in der Sophienkirche war Abschluss dieses Projekts. Der personelle Bezug dort zu Kowald war ganz unmittelbar: Das Ensemble „Global Village“ mit dem Ausnahmemusiker war in China aktiv gewesen, und das heutige Trio um Gunda Gottschalk knüpfte daran an.

Es ist sonst nicht so häufig, dass Instrumentalisten sich auf eine waschechte Theaterperformance einlassen, und zwar eine der experimentellen Sorte. Wenig Worte, viel zu sehen, war die Devise – und zu staunen: Bevor die Musiker überhaupt sichtbar wurden, empfing den Zuschauer erst einmal ein rätselhafter Wust aus Papier, und allmählich schälten sich die Instrumente heraus. Überraschung zwei war der riesige Löwe – mit hiesigen Augen fast ein Ungetüm, auf Chinas Straßen aber lange kein seltenes Spektakel: Im Innern geführt von zwei unsichtbaren Akteuren zog das Tier die Blicke auf sich.

Kenbos Performance wirkt in Stille und Abgeschlossenheit

Drei Musiker umspielten eine Kreatur, machten sie wild und wieder zahm. Spannend war zu beobachten, welche Haltung sie einnehmen würden: Angst? Abwehr? Verehrung? Erlebte man Xu Fengxia an traditionellen Saiteninstrumenten, schien die Haltung eher zugewandt. Auch Gunda Gottschalk vermittelte mit ihrem Geigenspiel merklich Vertrautheit. Und wenn Peter Jacquemyn sich und seinen Kontrabass ums Tier und durch den Raum bewegte, mochte seine wuchtige Präsenz bei viel Fantasie fast an den Löwen erinnern: So ein Bass ist doch nicht zuletzt auch ein mächtiger Apparat.

Beim Kunstwerk im Ort stellten Fragen der Interaktion sich natürlich nicht. Fülle und Farbe prägten die große Wand im Ort, wo der Künstler bunte Babytücher angeordnet hatte – in China lange typisch zum Tragen des Nachwuchses. Zudem hatte er Papierbahnen bemalt und stellenweise geflämmt, nicht zuletzt Reverenz ans Feuer als eines der vier Elemente. Auf einem kleinen Podest thronte ein überdimensioniertes Reiskorn.

Frei und eigen mochte man damit auch das Vorgehen von „resident“ Kenbo nennen.Sein Zugriff auf Traditionen gilt als neuartig und offen, und das bestätigte sich hier. Der Reis, die Schriftzeichen, selbst der Werkstoff Papier, das ja historisch eine chinesische Erfindung sein soll: Inbegriffe chinesischer Kultur waren einfallsreich variiert und wirkten anders als die Performance in ihrer Stille und Abgeschlossenheit.