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Ein glänzend aufgelegtes Sinfonierorchester entführte in der Stadthalle mit Auszügen aus Nikolaj Rimski-Korsakows „Scheherazade opus 35“ in „Tausenundeine Nacht“.

Familienkonzert : Ideale Einstiegsdroge für kleine und große Klassikinteressierte

Ein glänzend aufgelegtes Sinfonierorchester entführte in der Stadthalle mit Auszügen aus Nikolaj Rimski-Korsakows „Scheherazade opus 35“ in „Tausenundeine Nacht“.

Irgendwann ist die Spannung so groß, dass ein Kind ein lautes „Hui“ nicht mehr zurückhalten kann. Und damit den großen und kleinen Zuhörern in dem prachtvollen, Großen Saal der Stadthalle aus dem Herzen spricht. Die waren am Sonntagvormittag auf großer Reise in die märchenhafte Welt aus „Tausendundeiner Nacht“, samt Ungeheuern, Naturgewalten, wagemutigen Abenteurern, mächtigen Sultanen und cleverer Geschichtenerzählerin. Reisebegleiter waren der Moderator Juri Tetzlaff und das Sinfonieorchester Wuppertal unter Dirigent Hartmut Keil. Das dritte Familienkonzert des Klangkörpers widmete sich „Scheherazade“.

„Scheherazade“ heißt die Erzählerin aus „Tausendundeine Nacht“. Und sie ist Namensgeberin der sinfonischen Dichtung Nikolai Rimski-Korsakows. Der lebte von 1844 bis 1908, wurde nach Jahren als Seekadettenkorps und Beamter im Marinedienst Professor am Konversatorium von St. Petersburg und zählt zu den produktivsten russischen Opernkomponisten der Romantik. International wurde er aber vor allem durch seine Orchesterwerke bekannt. „Scheherazade“, Opus 35, schrieb er 1888. Die Orchestrierung vereint einen vielfältigen Instrumenteneinsatz und ein großes Interesse für das Orientalische. Immer wieder werden einzelne Instrumente in Solopartien in den Vordergrund gestellt, was ihr Kennenlernen fördert. Das Werk ist Musik gewordene Worte, Geschichten und Gefühle. Ohne die Bilder im Kopf einzuengen. Alles zusammen macht die sinfonische Dichtung zur idealen Einstiegsdroge für kleine und große Klassikinteressierte.

Knapp 20 Kinder spielen mit dem Orchester einen Kasatschok

Es ist eng auf der Bühne der Stadthalle. Unter das Sinfonierorchester mischen sich an diesem Vormittag knapp 20 Kinder, die nicht nur zuhören, sondern mitmachen wollen. Dafür haben sie im Netz die Noten des Kasatschoks „Scheherazade verzaubert den Sultan“ heruntergeladen und mit Flöte, Geige, Horn, Trompete, Posaune oder Cello eingeübt. Während sie nun gemeinsam mit den Berufsmusikern spielen, singen ihre Eltern, Großeltern und Geschwister mit großer Freude mit. Höhepunkt eines Konzerts, dessen roter Faden die Geschichte von Scheherazade ist, die den brutalen Sultan durch endlose Erzählungen davon abbringt, weiterhin seine Frauen ermorden zu lassen. Da tauchen Sindbad der Seefahrer auf, der Berg Sesam, der sich auf Kommando öffnet oder schließt, ein Flaschengeist, der beim Reiben einer Wunderlampe entweicht und die Erfüllung dreier Wünsche in Aussicht stellt. Da gibt es verwunschene Prinzessinnen, die durch einen Kuss erlöst werden, und Prinz Kalender, der auf seinem fliegenden Teppich den gestrandeten Abenteurer rettet.

Juri Tetzlaff ist ein erfahrener Moderator, vom Kinderkanal im Fernsehen, aber auch in Wuppertal bekannt. Er lässt sich nicht durch defekte Mikrofone beirren. Ohne eine einzige Requisite gibt er den Märchen Gestalt, reitet auf Pferden, fliegt auf dem Teppich, fährt zur See, beschwört Schlangen, schnarcht mit dem Sultan, zischt und faucht wie ein Drache und ruft mit den Zuhörern laut „Yeah“. Das glänzend aufgelegte Orchester nimmt seine Worte auf, führt sie weiter, den Bass des Sultans, die Sologeige der jungen Erzählerin, die durch Harfen, Tamburin und Triangel vervielfältigt wird. Die Musik Rimski-Korsakows verführt, gibt Raum für Fantasie, das Orchester spielt exakt, schwillt an, ebbt ab, die Motive der einzelnen Instrumente sind klar und deutlich herauszuhören und zu genießen. Wer will, schaut den Musikern dabei auf die Finger. Sie werden gefilmt und live auf einem Monitor über dem Orchester ausgespielt.

Am Ende der tausendundeinen Nächte landen Sindbad und seine Besatzung heil in der Heimat, heiraten Scheherazade und ein bekehrter Sultan, spielt das Orchester ermattet, sanft und versöhnt die letzten Takte. Sagt Juri Tetzlaff die bekannten Worte: „Und wenn sie nicht gestorben sind ...“