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Wuppertaler Musikschule: Ein Floh auf Beethovens Bettdecke

Wuppertaler Musikschule : Ein Floh auf Beethovens Bettdecke

Vermittlungsprojekt von Bergischer Uni und Musikhochschule.

Was hat ein Tausendfüßler mit Beethoven zu tun? Antworten darauf gab’s für die Kinder in der Bergischen Musikschule. Bei „Ludwig van Beethoven und seine kribbeligen krabbeligen Freunde“ ging es aber auch um eine ganz andere Frage: Wie vermittelt man kleinen Menschen klassische Musik?

Die Schule an der Hofaue war Veranstaltungsort für zwei Kooperationspartner: Bergische Universität sowie Musikhochschule. Das Programm zur Vermittlung von Beethovens Stück hatten Studierende entworfen und stellten es am Wochenende vor. Prof. Sarah Semke vom Wuppertaler Standort (Sedanstraße) und Dr. Annette Ziegenmeyer von der Uni stehen hinter dem neuen Modell Empri der beiden Institutionen, das schon einige Seminare zusammen angeboten hat (das „pri“ meint „Primarstufe“).

Auf dem Programm stand Beethovens Quintett in Es-Dur op. 71 ( Bearbeitung: Mordechai Rechtman). Mit dem kurzen Stück selbst füllten die fünf Studierenden namens „Fuga Quintett“ aber kaum die Hälfte dieses frühen Sonntagabends; als Moderator David Jolitz sie ankündigte, waren die Kinder längst eingestimmt. Hauptsache war der pädagogische Rahmen, besser: der Auftritt von „Emma“ und „Hildegard“ – eine charmante Mischung zwischen Begleitung und Clown-Figur. Gespielt wurden sie von Clara Hütterott und Lara Krause, ebenfalls Studentinnen. Sie trafen beim jungen Publikum sofort den Nerv.

Musik mit Worten, Gesten und Instrumenten näherbringen

Auch der Komponist kam zu Wort, ihm lieh Student Andreas Funkerieder seine Stimme. Entstanden sei das Stück übrigens im Stress und mit tierischer Hilfe: Beethoven hatte das Auftragswerk innerhalb nur einer Nacht zu schreiben. Zum Glück kam Inspiration: Erst kroch ein Floh über seine Bettdecke, erzählte „Ludwig“. „Hildegard“ und „Emma“ griffen das auf, setzten das Krabbeln heiter in Gesten um, und schon bald krabbelte der ganze Saal.

Die Sprünge des kleinen Flohs wurden da unter Beethovens Feder zur Flöte: Saskia Worf spielte auf ihrem Instrument eine kurze Sequenz im Hopsmodus. In dem Stil ging es weiter, parallel zur Beschreibung jener Nacht: Je ein Tier gesellte sich demnach zum Komponisten, dem darauf eine Instrumentation einfiel – und die Kleinen plus Eltern gingen rege mit. Dem flatternden Schmetterling folgte Hyeongjeong Kim am Horn, dem Tausendfüßler Andreas Hermanski an der Klarinette, und die Spinne reizte den schlaflosen Genius offenbar zur von Kornwaran Dheeranutra gespielten Oboenpartie. Am Ende erfuhren Jung und Alt noch von einer Raupe, und ein Fagott, wie das von Johannes Stelter, hat mit viel Fantasie vielleicht sogar optisch etwas Ähnlichkeit mit dem Gliedertier. So stand laut der vitalen Lektion denn schließlich das Quintett.