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Wuppertaler Kultur: Ein Blick in die heiligen Hallen des Opernhauses

Wuppertaler Kultur : Ein Blick in die heiligen Hallen des Opernhauses

Michael Okroy schlug bei seiner Führung einen historischen Bogen von den Anfängen bis heute.

„Das war sehr interessant, so viele Informationen!“ Kathrin Kaufhold war eine der sechs Gewinnerinnen der Adventskalenderaktion der Wuppertaler Bühnen. Sie ist begeisterte Opern- und Theaterbesucherin und bleibt ihrer Heimatstadt treu, auch wenn sie inzwischen in Heiligenhaus lebt. Mit Literatur- und Sozialwissenschaftler Michael Okroy hatte die kleine Truppe einen exzellenten Kenner und Führer an ihrer Seite. Zur Sanierung veröffentlichte er 2009 ein opulentes Werk über die rund 135 Jahre alte Theater- und Operngeschichte der Stadt. Ein Exemplar des Buches „...damit die Träume atmen können – vom Stadttheater Barmen zum Opernhaus Wuppertal“ war ebenfalls Teil des Gewinns.

Wie in seiner Publikation schlug Okroy bei der Führung einen historischen Bogen von den Anfängen bis heute. Zunächst hieß es Platz nehmen im Kronleuchterfoyer. Im Jahr 1874 liegen die Anfänge des Barmer Theater, das schon im folgenden Jahr durch ein Feuer zerstört wurde. Bereits zehn Monate später war es wieder neu errichtet.

Okroy erzählte von den Widerständen der Kirchen gegen das „unsittliche Theater“, vom Zeitgeist und der großen Akzeptanz durch die Bevölkerung. In den Zeiten der Industrialisierung erlebte die Stadt eine große Zuwanderung. 1876 wurde im Barmer Stadttheater zum ersten Mal im Wuppertal Richard Wagners „Der Ring der Nibelungen“ aufgeführt. Bekannte Namen verbanden sich mit den Theaterhäusern in Elberfeld und Barmen, damals noch zwei getrennte Städte. Franz Lehar bezeichnete seine Tätigkeit hier als Lehrmeisterei. „Die Elberfeld-Barmener Zeit war für mich ein Segen.“

1888 eröffnete am Brausenwerth das neue Elberfelder Stadttheater. Beide Häuser zeigten zahlreiche Produktionen. 1902 dann der zweite große Brand und wieder der Neuaufbau. Nicht nur im ehemaligen Erfrischungsraum verwies Okroy darauf, dass die Sanierung den Geist der 1950er Jahre erhalten hat, viele Originale finden sich noch, wurde die Oper doch als „Perle der Fünfziger“ bezeichnet. Er erzählte von den Glanzzeiten der Theater mit zahlreichen ausverkauften Produktionen, vier Ränge hatte die Oper damals.

Auch im ehemaligen Raucherstübchen, heute das „kleine Foyer“, lebt der Geist der damaligen Zeit, von der grünen Lackwand bis zum Streifenlinoleum. Hier lauschten die Teilnehmer original historischen Aufnahmen mit Rauschen und Knacken, wie es dazu gehört. Dazu gehörte auch die erste Arbeit von Pina Bausch, gesungen wird die Hallenarie der Elisabeth aus „Tannhäuser“.

Und dann ging es in die heiligen Hallen: Nur vom Treppenabsatz durften die Teilnehmer in den Proberaum des Pina Bausch Ensembles schauen. Sieglinde Ottenjann hat die Zeit noch in guter Erinnerung: „Dank meiner Schwester konnte ich früher sogar oft die Generalproben von Pina Bausch besuchen.“

Und Okroy erzählte von einer wegweisenden Entscheidung der damaligen Theaterleitung unter Arno Wüstenhöfer, die junge Pina Bausch als neue Ballettdirektorin zu engagieren und sie auch gegen alle Widerstände zu unterstützen.

Dann wurde die Bühne für die neue Produktion hergerichtet – und die Teilnehmer standen zum Abschluss plötzlich selber im Rampenlicht.