„Durch junge Kunst kann man jung bleiben“

„Durch junge Kunst kann man jung bleiben“

Galerie Epikur: Hans Peter Nacke möchte in seinen neuen Räumen Gesprächsstoff bieten.

Wuppertal. Die Talsohle ist für Prunk nicht gerade bekannt, aber die Friedrich-Ebert-Straße war tatsächlich einmal eine Prachtallee mit ebensolchen Bauten. Viele Jahre lang hat Hans Peter Nacke die alte Villa mit der Nummer 152a restaurieren lassen, Ende Mai wurde die neue Galerie Epikur feierlich eröffnet.

Marmor, edle Hölzer, eine kleine Sternwarte unterm Dach und ein Gartenmit Pavillon - es ist ein besonderes Haus. Fünf Räume und eineEingangshalle laden nun auf insgesamt 240 Quadratmeter zum Verweilenein. Ein Aspekt, der Hans Peter Nacke besonders wichtig ist: "ImGegensatz zu drüben gibt es hier, in den vielen kleineren Räumen,Möglichkeiten zu Gesprächen."

Drüben, das ist die Vorgänger-Galerie an der Friedrich-Engels-Allee, wo Nacke viele Jahre lang in ebenfalls beeindruckender Umgebung zahlreiche Ausstellungen präsentiert hat. "Aber das war ein eher musealer Raum", erklärt der Galerist, der auch eine Druckerei betreibt. "Mehr als fünf Stunden Schlaf habe ich nicht", sagt der 1946 Geborene.

Man kann ihn wohl als Sinnesmensch bezeichnen, der den schönen Dingen vollends aufgeschlossen ist. Sowohl in der alten als auch in der neuen Galerie Epikur fällt das gesamte Interieur ins Auge, nichts stört den Blick in den hellen, sehr hohen Räumen. Er habe sich immer schon mit Kunst umgeben, Kunst gelebt, berichtet der umtriebige Galerist.

"Über den Tellerrand blicken", "anstoßen" und "wachrütteln" sind Schlagworte, die er benutzt, wenn man ihn auf Kunst und Künstler anspricht. Und als Teil einer "eigentlich abstrakten Generation" öffnet er sich umso lieber der Direktheit gegenwärtiger Kunst: "Durch junge Kunst kann man auch jung bleiben."

Ob jünger oder älter: Ganz groß schreibt Hans Peter Nacke den Austausch mit Künstlern, das Brückenbauen zwischen den Disziplinen. Als Liebhaber des Improvisierten Jazz hat er in der Vergangenheit - im kommenden Jahr feiert er sein 30-jähriges Engagement als Galerist - zahlreiche Konzerte in seinen Räumlichkeiten veranstaltet, gerne auch in der Kombination Kunst, Essen, Musik. Und genau das liegt ihm neben dem Hauptaugenmerk - in den neuen Räumen viele zeitgenössische Kunst auszustellen - besonders am Herzen: Salongespräche, Konzerte im Pavillon, Literaturaustausch.

Interessanterweise betreut die ab September stattfindenden Salonzusammenkünfte Philosoph und Schriftsteller Andreas Steffens, Sohn des Epikur-Gründers Kurt W. Steffens. Hans Peter Nacke blickt indes jetzt schon gerne ins Jahr 2011, wenn er sich in der Galerie Epikur den Wuppertaler Künstlern Peter Brötzmann und Eugen Egner widmet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung