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Don Quichotte verlässt Wuppertal

Don Quichotte verlässt Wuppertal

Wuppertal. Opernsänger John In Eichen wird derzeit in Wuppertal als Don Quichotte gefeiert. Im Sommer wechselt der Schweizer jedoch nach Mannheim. Die WZ traf ihn zum Interview.

Herr In Eichen, Sie verlassen das Wuppertaler Opernensemble in Richtung Mannheim. Hat die Entscheidung allein künstlerische Gründe oder hängt sie auch mit dem Spardruck der Wuppertaler Bühnen zusammen?

John In Eichen: Das Angebot aus Mannheim war sehr gut - da gab es für mich kein Zögern. Ich muss aber sagen, dass die finanziellen Kürzungen für die Wuppertaler Bühnen fatal sind. Ihre Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit sind stark gefährdet. Das ist ein Tiefschlag für die Kultur in Wuppertal.

„Der Freischütz“ war Ihre erste Herausforderung in dieser Saison. Andrea Schwalbach setzte die gefährdete Liebe des Forstanwärters Max zu seiner Agathe in Szene. Sie waren Kaspar, der, ehemals von Agathe verschmäht, zum dubiosen Vertrauten wird: Er nimmt Max mit in die berühmte Wolfsschlucht, in der der Teufel sein Spiel treibt. Glauben Sie an das Schicksal — oder daran, dass man sein Leben ausschließlich selbst bestimmt?

In Eichen: Ich glaube daran, dass man sein Umfeld vorsichtig auswählen soll. Früher oder später wird es auf die eigene Persönlichkeit abfärben.

Derzeit sind Sie als Don Quichotte zu erleben. Was bedeutet Ihnen die Rolle?

In Eichen: Don Quichotte ist eine traumhafte Rolle. Das Spannungsfeld zwischen Idealismus und Pragmatismus wird nirgends so farbenreich beschrieben wie in diesem Stück. Außerdem liebe ich die wundervoll fließende Musik von Massenet. Diese Komposition verdient einen festen Platz im Opernrepertoire. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jakob Peters-Messer war unglaublich inspirierend. Er ist ein Weltklasse-Regisseur, mit dem ich hoffentlich noch oft zusammenarbeiten werde.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Opernbühne? Was (oder wer) gab den Anstoß, Sänger zu werden?

In Eichen: Vor einigen Jahren habe ich Wagners „Lohengrin“ an der Hamburgischen Staatsoper gehört. Beim zarten Klang der Geigen des Orchestervorspieles wurde mir schlagartig klar, dass ich Sänger werden will. Außerdem wurde in meinem Elternhaus viel gesungen. Musik war immer in meinem Leben. Früher wollte ich Gitarrist werden.

Wie haben Sie das Publikum in Wuppertal empfunden?

In Eichen: Es ist einfach fantastisch. Ich wurde unglaublich gefeiert.

Welche Partien warten in Mannheim auf Sie?

In Eichen: Nächste Spielzeit singe ich Gurnemanz in Wagners „Parsifal“. Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung. Wagner hat in seinem „Parsifal“ die schwärmerischste und packendste Musik geschrieben, finde ich. Gurnemanz ist meine absolute Traumrolle. Außerdem singe ich Baron Ochs im „Rosenkavalier“, die anspruchsvollste und längste Rolle im ganzen Bass-Fach. Ich freue mich sehr darauf.

Kehren Sie der Stadt ganz den Rücken oder bleiben Sie den Wuppertaler Bühnen als Gast erhalten?

In Eichen: Sehr gerne komme ich als Gast zurück. Wann das sein wird, kann ich aber momentan noch nicht sagen.