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Dieter Nuhr: TV-Einsatz in Wuppertal

Dieter Nuhr: TV-Einsatz in Wuppertal

Drehort Stadthalle: Der Kabarettist und sein Pausen-Fauxpas - was TV-Zuschauer nicht sehen werden.

Wuppertal. Bei Dieter Nuhr bekommt das Wort „Pausenclown“ eine ganz neue Bedeutung. Denn die Pause zwischen zwei TV-Aufzeichnungen wurde am Mittwochabend programmgemäß genutzt. Was nützt auch die beste TV-Show, wenn der Zuschauer zu Hause gar nicht weiß, wann er einschalten soll? Eben.

Also macht Dieter Nuhr, was ein galanter Entertainer tun muss: Während das Publikum der ersten Aufzeichnung noch auf den Stadthallen-Stühlen sitzt und die zweite Gästeschar bereits gespannt vor den Saaltüren wartet, steht er auf der Bühne, schaut in die Kamera und spricht einen Trailer ein. Früher — lange bevor Daniela Katzenberger die TV-Welt erobern und deshalb in Nuhrs Jahresrückblick ihr Fett wegbekommen sollte — , hätte man das schlicht „Programmhinweis“ genannt, aber „Trailer“ klingt moderner. Schließlich geht es ja um das Jahr 2012.

Dabei war einer der größten Lach-Erfolge gar nicht geplant. Denn: Der Fernseh-Profi verweist in seinem Trailer nicht etwa auf „Das Erste“, sondern nimmt ein unerwünschtes Wort — die ARD — in den Mund. Als ihn sein Regisseur, die Stimme aus dem Off, darauf aufmerksam macht, rettet der verdutzte TV-Star die Situation mit einem Nuhr-typischen Lächeln: „Echt? Die ARD ist gar nicht mehr die ARD? Hätte ich jetzt nicht gedacht. Ich gucke ja auch gar kein Fernsehen...“

Das Publikum ist begeistert — und freut sich über einen der wenigen Momente, in denen der Rheinländer so ist, wie man ihn von der Kabarett-Bühne kennt: nicht nur schlagfertig und scharfzüngig, sondern vor allem auch spontan — im direkten Dialog mit den Zuschauern.

Dass das Spontane am Mittwochabend (zu) kurz kommt, liegt in der Natur der Sache: Zu einer TV-Aufzeichnung gehört ein festes, minutiös geplantes Programm — da darf auch kein Aufheizer fehlen, der mit fröhlicher Lässigkeit die ohnehin gut gelaunten Gäste in die richtige Applaus-Stimmung bringt („Bitte während der Aufzeichnung nicht winken — wir sind nicht im Musikantenstadl“). Vorsichtige Kameramänner, die bemüht unaufdringlich durch die Reihen tänzeln, sind genauso im Einsatz wie unzählige Mikrofone, die sich buchstäblich hängen lassen und von der Decke baumeln.

Der Nachteil für alle, die das sonst übliche Live-Erlebnis erwartet haben: Nuhr schaut permanent in die Kameras, jedoch kaum ins Publikum. Andererseits hat das gestraffte Programm auch seinen Vorteil: Es vergeht wie im Fluge — für manchen sogar zu schnell. Rund 70 Minuten währt jeder der beiden Auftritte: Nuhr analysiert auf den Punkt genau — ohne Längen und mit nur einem einzigen Versprecher in der ersten Show. Selbst den können die Produzenten noch herausschneiden, wenn sie denn möchten. Als Nuhr am Ende fragt, ob alles in Ordnung sei, und Volker Weicker mit „Sehr schön!“ antwortet, ist der Mann des Abends um kein Augenzwinkern verlegen: „Das ist Volker, unser Regisseur. Der wird dafür bezahlt, dass er das sagt.“

Im Ernst: Der „Pausenclown“ zeigt sich von seiner professionellsten Seite — und bringt Wuppertal dafür auch noch ins Fernsehen. Ein guter Abend für die Stadthalle also — und für alle, die gepflegte Ironie lieben.