„Die Zauberflöte“ in Barmen: Die Außerirdischen sind zurück

„Die Zauberflöte“ in Barmen: Die Außerirdischen sind zurück

Die Oper überzeugt auf musikalischer Ebene und durch eine schlüssige Regie.

Wuppertal. Die Außerirdischen sind nach Barmen zurückgekehrt: Die drei Knaben, die zur rechten Zeit ihre Fühler ausstrecken, die ohnehin spitzen Ohren aufrichten und Prinzessin Pamina (Dorothea Brandt) engelsgleich zur Seite springen, wirken wie die guten Geister eines fernen Planeten.

Die grauen Marsmännchen, die im Ganzkörperkostüm und mit aufgeklebten Lauschorganen aussehen, als seien sie entfernte Verwandte von Mr. Spock, retten die verzweifelte Königstochter vor dem Freitod und verkörpern ganz nebenbei auch noch das, was „Die Zauberflöte“ ausmacht: Es ist die Mischung aus ernstem Gefühl und witzigen Details, die das Publikum im Opernhaus verzaubert. Denn seit Sonntagabend heißt es wieder: Willkommen im Raumschiff Opernhaus.

Als Pamina und Tamino (Patrick Henckens) endlich zueinander finden, stehen sie nicht etwa auf dem Schlauch, sondern in einem solchen: Eine lange weiße Röhre senkt sich im gleißenden Licht von oben auf die Bühne und umschließt das Paar so sanft, als ob es vor der anstehenden Feuer- und Wasserprobe keinerlei Angst haben müsste und sich einfach wegbeamen lassen könnte. Die Liebe ist eben eine Himmelsmacht — und Star Trek lässt grüßen.

Wie man mit altbekannten Motiven spielt und gleichzeitig neue Sichtweisen eröffnet, zeigt Christian von Treskow einmal mehr mit einem kurzweiligen Drei-Stunden-Programm. Vieles ist geblieben, Einiges hat sich jedoch verändert, seitdem der heutige Schauspiel-Intendant seine erste Opernarbeit vorgestellt hat. Neben einer zum Teil veränderten Besetzung gibt es einen neuen musikalischen Leiter: Hatte Evan Christ bei der Premiere 2009 zu sehr aufs Tempo gedrückt, dirigiert Florian Frannek das Sinfonieorchester nun bedächtiger — was der Inszenierung gut tut.

Von Treskow nimmt Mozart ernst und legt doch eine feine Ironie über die Geschichte der entführten Königstochter, die Sarastro (hervorragend: James Moellenhoff) als Faustpfand im Machtkampf dient. Bestens dazu passen Bühnenbild und Kostüme von Dorien Thomsen und Sandra Linde, die Assoziationen wecken, aber auch Raum für Fantasie lassen. In einem Mix, der an Mittelalter, Ägypten und Science-Fiction erinnert, fühlen sich vor allem drei Damen sichtlich wohl: Banu Böke, Joslyn Rechter und Miriam Scholz glänzen als Beschützerinnen in weißen Gewändern, während Männer mit trüben Absichten dunkle Kutten tragen und schwarze Fahnen schwenken.

Mit exzellenten Solisten und Choristen, einer schlüssigen Regie und stimmungsvollen Effekten, die ein bezeichnendes Licht auf die verschwörerische Gemeinschaft werfen, gelingt es von Treskow, Farbe zu bekennen: Sein Akzent liegt auf der Freimaurer-Symbolik. Die Begriffe Natur, Weisheit und Vernunft stehen wie Mahnungen auf weißen Wänden, vor denen sich Düsteres abspielt. So wird Mozarts letztes Bühnenwerk zur Parabel über die Verlockungen zwielichtiger Organisationen.

Während der liebenswert-nimmersatte Papageno (Miljan Milovic) das Publikum und seine Papagena (Annika Boos) für sich gewinnt, könnte Patrick Henckens als Tamino mehr Leidenschaft zeigen. Erfreulich ist hingegen, dass sich Dorothea Brandt an den Wuppertaler Bühnen enorm entwickelt hat.

Um sie herum greift ein Rad ins andere — von der Königin der Nacht (Elena Fink) bis zu den skurrilen Knaben, die in Wahrheit weiblich sind und auch nicht auf dem Mars leben, sondern in Barmen zu Hause sind: Anja Kiel, Irmke von Schlichting und Katharina Hahn studieren an der Musikhochschule und schnuppern erfolgreich Bühnenluft.