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Die Wuppertaler Orgel in der Klosterkirche Beyenburg ist ein Kleinod

Kultur in Wuppertal : Musizierende Engel in barocker Pracht in der Klosterkirche Beyenburg

Die Orgel ist 2021 das „Instrument des Jahres“. Die WZ stellt das Instrument, von dem es in Wuppertal eine ganze Menge gibt, in einer eigenen Serie vor. Diesmal geht es um die Orgel in der Klosterkirche Beyenburg – der älteste erhaltene Orgelprospekt im Tal der Wupper.

Ein Orgelgehäuse von besonderer Schönheit ist in der Beyenburger Klosterkirche St. Maria Magdalena zu finden. Reich mit goldenen Ornamenten, farbigem Blattwerk und kleinen Engeln verziert, ist es der älteste erhaltene Orgelprospekt und auch das älteste Dokument für einen größeren Orgelbau im Tal der Wupper. 1693 wurde das Instrument von einem unbekannten Orgelbauer erbaut. Über die damalige Disposition, die Register oder die Festlegung der Tonhöhen ist nichts bekannt. 1898 wurde die Orgel durch ein neues Werk von Georg Stahlhuth jun. aus Aachen, Begründer der bis heute existierenden Orgelbauanstalt, ersetzt. Ein weiterer renommierter Orgelbauer, Romanus Seifert aus Kevelaer, baute 1970 das heutige Orgelwerk. Von den 22 Registern wurden einige aus der vorherigen Orgel ganz oder teilweise übernommen. Das neue Pedalwerk setzte Seifert so hinter das Gehäuse des Hauptwerkes, dass der Prospekt mit seinen reichen barocken Verzierungen nicht verdeckt wird.

Die Orgel gilt als „Königin der Instrumente“, ein Titel, der von Mozart stammen soll. Königin, weil sie das größte und prächtigste Instrument ist und weil ihr Klang mehr Tiefe und einen größeren Umfang hat, als alle anderen Instrumente. Weil es nicht leicht ist, das Orgelspiel zu erlernen und vor allem, weil die Orgel ein ganzes Orchester in sich vereint. Wenn die Organistin auf dem Spieltisch die Tasten drückt und dazu die Register zieht, spielt sie mehrere Instrumente, die sie hervorheben oder zurücknehmen kann und deren Klangfarbe sie gestaltet. Die Register sind häufig nach klassischen Instrumenten wie Flöten, Trompeten oder Violinen benannt, deren Klang durch entsprechende Pfeifen nachgeahmt wird. Durch die Kombination verschiedener Register lassen sich Millionen von Klangfarben erzeugen. Dazu verfügt die Orgel über eine komplizierte Technik. Organisten benötigen fundierte Kenntnisse in Mechanik, Pneumatik, Elektrik und bei modernen Orgeln auch Elektronik.

Bei der Orgel in Beyenburg wird die Übertragung von den Tasten der zwei Manuale und des Pedals zu den Ventilen der einzelnen Orgelpfeifen durch eine mechanische Traktur übertragen. Die Orgel reagiert unmittelbar auf die Tastatur und erleichtert so auch das Spielen schneller, moderner Stücke. Die Registertrakturen werden elektrisch betätigt. Eine elektronische Steuerung, eine ‚Vorprogrammierung‘, gibt es nicht.

Vor allem zeichnet sich diese Orgel durch einen warmen, fülligen Klang sowie eine klare Präsenz und Brillanz aus. Ihre grundtönigen Klangfarben eignen sich besonders gut für die Musik barocker Meister, deren Klangbild sie nahekommen.

Einen umfassenden Eindruck von den klanglichen Möglichkeiten der Stahlhuth/Seifert-Orgel vermittelt Ursula van Eimern. Sie studierte katholische Kirchenmusik, arbeitet als Chorleiterin, Organistin und Musiklehrerin in Wuppertal. Ihr Schwerpunkt ist der Gesang. Sie leitet unter anderem den Chor Caminando in Beyenburg. Als Organistin spielt sie regelmäßig in Wuppertaler Kirchen.

Warmer, fülliger Klang eignet sich besonders für Barockmusik

Als sie vor 22 Jahren zum ersten Mal auf der Orgel in der Beyenburger Klosterkirche spielte, war sie sofort begeistert. „Ich spiele gerne auf Orgeln, die singen, und diese Orgel singt“, sagt sie, und stellt ihre Behauptung gleich unter Beweis. Beschwingt lässt sie die Orgel leichte, fröhliche Barockmusik „singen“, lässt bei dem Choral „Vater unser im Himmelreich“ von Georg Böhm (1661-1733) mit Hilfe des Tremulanten satte Bass-Seufzer ertönen, während bei der Toccata „Seven“ von John Rutter (*1945) kraftvolle Tuttiklänge das Kirchenschiff füllen.

Zarte Register wie Gambe und Flûte harmonique erzeugen feine, leise Töne, das Prinzipal hingegen sorgt für typischen sonoren Orgelklang. Mit der 3. Sonate in F von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), die ganz im Zeitgeist des „empfindsamen Stils“ gehalten ist, zeigt die Kirchenmusikerin virtuos den klanglichen Charakter der Orgel. „Ich liebe diese Musik sehr. Sie ist fröhlich und traurig zugleich“, sagt Ursula van Eimern.

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Die hervorragende Akustik und die besondere Atmosphäre der Klosterkirche tragen zum Musikgenuss bei. Daher finden hier häufig Konzerte statt, beispielsweise im Rahmen der Wuppertaler Orgeltage. Um die Orgel auch weiterhin als Konzertorgel nutzen zu können, müsse die 50 Jahre alte defekte Setzeranlage ausgetauscht werden, sagt van Eimern. Die Kosten liegen bei etwa 15 000 bis 20 000 Euro. Die Musikerin hofft, dass auch für Verbesserungen an Spieltisch und Pedalanlage Finanzmittel bereitgestellt werden können.