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Die Kantorei Barmen-Gemarke eröffnet mit Reger die Saison

Die Kantorei Barmen-Gemarke eröffnet mit Reger die Saison

Mit Chor- und Orgelwerken des Spätromantikers wurden „Kleinode zur Mittagszeit“ präsentiert.

Wuppertal. Max Reger ist im Jahr seines 140. Geburtstages in Wuppertal äußerst präsent. Auch die Kantorei Barmen-Gemarke stellte am Sonntagmittag Chor- und Orgelwerke des Spätromantikers in den Mittelpunkt ihres Konzerts zur Saisoneröffnung. Von den acht unbegleiteten geistlichen Gesängen op. 138 hatte Kantorei-Leiter Wolfgang Kläsener fünf ausgewählt, die er als „Kleinode zur Mittagszeit“ bezeichnete.

Die Kantorei sang die homophon strukturierten oder auch vier- bis sechsstimmigen Lieder sicher, wenngleich der Tenor hin und wieder zum Forcieren neigte. Klangschön und ausgewogen war der Gesang stets im Piano. Sicher beherrschten die Choristen vertrackte modale Wendungen, meisterten schwierige Chromatik mühelos und sprachen Endungen fein und nachklingend ab.

Auch die dynamische Gestaltung vom gehauchten Pianissimo bis zum kräftigen Forte gelang mit sicherem Gespür. Im „Ave Maria“ von Giuseppe Verdi arbeitete Kläsener den schwebenden Charakter der Komposition gut heraus — wofür eine sichere Intonation nötig und gewährleistet war.

Die wenigen Männerstimmen (fünf Tenöre und sieben Bassisten) gestalteten zusammen mit der Orgel eine ruhige, von Kläsener nach Franz Liszt bearbeitete Fassung des Pilgerchores aus Richard Wagners Oper „Tannhäuser“. Und Verdis „O Padre nostro“ für gemischten Chor vermittelte eindringlich die flehenden Bitten, den jubelnden Lobpreis und die innige Demut des in Musik gesetzten Dante-Textes.

Wolfgang Kläsener spielte zwei Orgelwerke Regers: Die Introduktion und Passacaglia d-Moll und die Choralfantasie über „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, die er auch im Rahmen der Wuppertaler Orgeltage erst kürzlich in der Stadthalle bot. Auch in der Immanuelskirche ließ seine Interpretation aufhorchen. Kläsener entfaltete im versierten Spiel auf der großen, viermanualigen Schuke-Orgel die Fantasie als geglückte Symbiose von tradiertem Choral und grandioser symphonischer Dichtung in neuerer Tonsprache.

Wie aus geheimnisvollen und düsteren Fernen entwickelt sich die Musik, unterbrochen von gleißenden Einwürfen, ehe sich das „Wachet auf!“ der Choralmelodie durchsetzt. Die kurze Passacaglia spielte er mit extremen dynamischen Kontrasten und wuchtigen Steigerungen - ganz im Sinne des von Reger geforderten „seelisch bewegten“ Vortrags.