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Ausstellung: Die Harmonie der Unordentlichkeit

Ausstellung : Die Harmonie der Unordentlichkeit

Galerie Hengesbach: Künstler verändern gewohnte Formen.

Wuppertal. „Verrenkung“ heißt das Wort bei Medizinern, Chemiker benennen so den Defekt in molekularen Strukturen. In der Galerie Hengesbach ist der Begriff „Dislocation“ Titel der neuen Ausstellung, und was seine Exponate eint, scheint um einiges konstruktiver: Vieles widmet sich Formen der Neuorientierung. Das namensgebende Thema war Richtschnur für die Zusammenstellung in der Vogelsangstraße, und zum Beitrag des Galeristen gehörte, es zu finden und umzusetzen. Rolf Hengesbach entwickelte die Auswahl aus zunächst einer Handvoll Werken, deren Künstler er vertritt, und formulierte vorab: „Wenn Ordnungen oder natürliche Umgebungen verloren gehen, dann brechen Vertrautheiten zusammen.“

Was passte und nun in der hübschen Villa eindrucksvoll zu sehen ist, behandelt denn auch den Verlust von Kontexten, und das medial wie inhaltlich in vielen Facetten. So zeigen die Fotoarbeiten von Peter Bösenberg fokussierte Stadtansichten und richten so den Blick auf Disparates: „Zypern“, lockt ein Reklameplakat gleich neben prosaischen Blechlawinen, unbeeindruckt empfiehlt sich im Hintergrund die „Divine Comedy“. Völlig anders in den Mitteln konfrontiert auch Alex Hanimann mit vermissten Zusammenhängen - doch ob sie fehlen, scheint nicht ausgemacht. Wille, Wolke, Wunsch, Wahn, Sinn in Blockbuchstaben: Ob hier ein „Defekt“ vorliegt wie bei besagten Molekülen, oder aber die Aufforderung, einen Kontext herzustellen? Es liegt offenbar im Auge des Betrachters.

Nicht rein destruktiv versteht sich selbst ein Werk, das auffällt in seiner plastischen Wucht: „Herrn Orleanders großer Auftritt“ von Susanne Kutter präsentiert einen echten herabgestürzten Kronleuchter, montiert auf Parkett. Wie Eis erstarrt, richten sich die gläsernen Tropfen nun vertikal auf der Wand ein und zeigen für Galerist Hengelsbach so durchaus eine Art von Befriedung.

Deutlicher wird das Einfinden in neue Strukturen dort, wo Werke ins Religiöse spielen. So hat Björn Siebert ein gefundenes Fotomotiv real nachgebaut, einen „Wunschbaum“. Spirituell Aufgeladenes von Kirche bis Kitsch hängt in seinen Zweigen und vermittelt bei allem Stückwerk doch Harmonie.

Die Ausstellung in der Vogelsangstraße 20 läuft bis zum 9. April. Zu sehen ist sie wochentags von 13 bis 18 Uhr.