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Die Flöte hat genug Kraft für AC/DC

Die Flöte hat genug Kraft für AC/DC

Das Trio Wildes Holz tritt am Freitagabend in der Immanuelskirche auf.

Blockflöte?! Das ist doch das Instrument, mit dem man früher kleine Kinder quälte, die sich dann ihrerseits durch quiekiges Vorspielen rächten.

Das hat die Blockflöte aber gar nicht verdient, finden die Mitglieder des Trios Wildes Holz und treten an, das Instrument von seinem üblen Ruf als Kindermarterinstrument zu befreien. Seit 1998 leistet die Band erfolgreich Überzeugungsarbeit und kommt ihren Zuhörern mit neuen Flötentönen, dass ihnen die Ohren übergehen — am Freitag beispielsweise in der Immanuelskirche.

„Musikalisch geht viel mehr, als wir selbst am Anfang gedacht haben“, sagt der Bassist Markus Conrads (44), der seit fünf Jahren in Wuppertal lebt. Von Jazz bis zur leicht angerockten Klassik ist alles drin, nur Rap funktioniere nicht, weil er so textlastig ist und melodisch nicht so viel hergibt.

„Highway to hell“ gehört zum Standardprogramm von Wildes Holz — die zarte Flöte bringt lässig genug Power für das AC/DC—Stück mit. Tobias Reisige (39), an der Folkwang-Hochschule diplomierter Jazz-Blockflötenspieler, lässt mit einer seiner 15 verschiedenen Flöten auch Michael Jackson scheinbar schluchzen. Deep Purple and Red Hot Chili Peppers stehen im neuen Programm gleichberechtigt neben Beethovens „Pathétique“ und den eigenen Stücken.

Ursprünglich stammen Conrads, Reisige und der Gitarrist Anto Karaula (41) aus Recklinghausen. Kennengelernt haben sie sich als Jugendliche in einer Jazzband. Die anderen beiden haben gleich Musik studiert, Conrads wurde erst Diplom-Informatiker, bevor er endgültig zur Musik wechselte.

100 Auftritte absolvieren sie im Jahr, gerade kommt die siebte CD („Astrein“) heraus. Vorbilder gab es kaum, Nachahmer aber auch nicht: „Ich wüsste nicht, dass jemand etwas Ähnliches macht“, sagt Conrads. Sicher, die Sparks spielten zwar auch Blockflöte, „aber wir waren vorher da.“

Die Lust, mit der die drei Musik machen, überträgt sich aufs Publikum: „Es ist schon etwas Besonderes, dass wir nach all den Jahren immer noch richtig Spaß daran haben, zusammen Musik zu machen. Und das sieht man uns auch an — jedenfalls hören wir das immer nach unseren Auftritten“, so Conrads.

Selbst wenn sie sich im angestammten Blockflöten-Revier der Weihnachtslieder bewegen, ist man vor schrägen Überraschungen nicht sicher. Denn dann klingt „Oh, du Fröhliche“ zwischendurch nach „Honky Tonk Woman“, und bei „Last Christmas“ schimmert „Every breath you take“ von The Police durch.

Aber nervt es Conrads als Kontrabassisten nicht, dass er immer im Schatten der kleinen Blockflöte steht? Die Flöte sei zwar das Melodie-Instrument, sagt er, „aber wir agieren zusammen auf der Bühne. Insofern stehen wir alle drei im Vordergrund.“