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Die Entdeckung eines Requiems

Die Entdeckung eines Requiems

Die Kantorei Barmen-Gemarke begeisterte in der Immanuelskirche. Am Sonntag lebten „Mozart und seine Zeit“ auf.

Wuppertal. Die Konzertbesucher sind verblüfft. "So ein tolles Werk, und ich habe noch nie davon gehört" - solche Kommentare sind vielfach zu hören nach der Aufführung von Joseph Eyblers Requiem. "Da muss ich erst 73 Jahre alt werden, um diese herrliche Musik kennen zu lernen", sagt ein Herr, während er den Mantel überzieht. Mit dem Konzert "Mozart und seine Zeit" überzeugt die Kantorei Barmen-Gemarke in der Immanuelskirche.

Ein spannendes Programm hat Chorleiter Wolfgang Kläsener zusammengestellt - mit einer Motette von Carl Philipp Emanuel Bach, der Sinfonia concertante in Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und dem kaum bekannten Requiem von Eybler, einem Schüler und Freund von Wolfgang Amadeus Mozart.

Den Auftakt des Konzertes bildet die Motette "Bitten: Gott, deine Güte reicht so weit". Der zweitgeborene Sohn von Johann Sebastian Bach vertonte damit einen Text des Dichters Christian Fürchtegott Gellert. Das Werk beschreibt die Ruhe und Demut eines Gläubigen, der sich im Gebet an seinen Gott wendet. Die Kantoristen entfalten diesen Gestus in sicherem, ausgewogenen Chorgesang und lassen die Musik gemeinsam mit der Orchesterakademie an der Immanuelskirche in Wohlklang strömen.

Mit dem folgenden Instrumentalstück steht der Komponist Mozart im Zentrum des Konzerts. Denn sein komplexes Werk bildet die Brücke zwischen den musikalisch deutlich voneinander entfernten Kompositionen der Zeitgenossen Bach und Eybler. In der Immanuelskirche gibt es eine gehaltvolle Umsetzung der Sinfonia concertante zu hören.

Die Solistinnen Carola Seibt (Violine) und Katharina Häcker (Viola) bieten fein akzentuiertes Spiel und lassen ihre Instrumente eindringlich singen. Das dichte Zusammenspiel von Orchester und Solistinnen lässt sich im dritten Satz jedoch nicht fortsetzen. Hier gibt Dirigent Kläsener ein sehr forsches Tempo vor, die Ausführung gerät damit ungenau und leicht gehetzt.

Mit der Aufführung von Eyblers Requiem bieten alle Mitwirkenden eine hervorragende Leistung. In dem Werk sind deutliche Anklänge an Mozarts Requiem zu hören. Aber ebenso deutlich ist, dass die Komposition auch über die Mozartsche Vorlage hinaus geht und Eigenes zu bieten hat. Ihre starken dramatischen Akzente werden unter Kläseners genauer Leitung von Chor und Orchester anspruchsvoll umgesetzt.

Die Solisten, Hayat Chaoui (Sopran), Miriam Scholz (Alt), Marcus Ullmann (Tenor) und Jens Hamann (Bass), überzeugen ebenfalls mit differenziertem Vortrag. So wird die Aufführung des nur ganz selten live zu erlebenden Werkes zum Ereignis.