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Die Coronakrise beherrschte das endende Kultur-Jahr. Und förderte Kreativität und Solidarität.

Rückblick : 2020 - ein Streaming-Jahr

Die Coronakrise beherrschte das endende Kultur-Jahr. Und förderte Kreativität und Solidarität.

Das Kultur-Jahr 2020 stand auch in Wuppertal unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Sie brachte einerseits absoluten Stillstand durch gleich zwei Lockdowns. Andererseits förderte sie Kreativität und Solidarität. Akteure der freien Szene gründeten gleich im Frühjahr einen Solidarfonds, um das praktische Berufsverbot abzufedern. „EinTopf“ soll in Not geratenen Kulturschaffenden helfen. Und um die Kultur trotz allem am Laufen zu halten, verlegte sich das Geschehen in die digitale Welt.

Videos wurden gedreht, ganze Aufführungen gestreamt. Gleich im Frühjahr ging die Streaming-Plattform stew.one mit einem vielfältigen Kulturprogramm an den Start. Die Literaturbiennale wurde gar mittels Streaming gerettet. Mit geschrumpftem Programm ging es Anfang November an den Start. Im Café Ada und im Kulturzentrum Loch kamen Literaturinteressierte mit analogen oder zugeschalteten Autoren ins Gespräch, wurde auch die Nachwuchspreisvergabe inszeniert. Ende des Monats wurde neun Tage das Festivalprogramm „Under construction – wir bauen ein Haus“ aus dem alten Schauspielhaus gestreamt - Start der Vorlaufphase des Pina Bausch-Zentrums.

Außerdem lernten Schauspieler, Chöre und Musiker, unter Einhaltung der Aha-Regeln zu proben und Stücke zu spielen. Vor reduziertem Publikum (zwischen den Lockdowns) wurde Kunst präsentiert oder gespielt. Geisteraufführungen wurden inszeniert, Ausstellungen ohne Vernissage eröffnet. Unzählige Hygieneschutzkonzepte wurden, etwa in der Historischen Stadthalle, entworfen und von verschärften Verordnungen überholt. 

Zugleich erfuhren alte, analoge Formate ein Revival: „Out and about - Kunst geht raus“ brachte Kunst auf Plakatwände und machte die Stadt zur Galerie. Die Kinomacher entdeckten im Frühjahr die Autokinos wieder. Die Oper nahm an einem Audiokunstprojekt teil, das sich des Theatrophons erinnerte und Theaterhäuser in Callcenter verwandelte. Schauspieler spielten auf dem Lastwagen in den Vierteln oder lasen am Telefon vor, Musiker des Sinfonieorchesters konzertierten im Stadtgebiet - flashmobartig, um Menschenansammlungen zu vermeiden. 

Dennoch blieb und bleibt viel auf der Strecke, die digitale Bühne nur ein Behelf, eine Präsentationsplattform, die das Erlebnis mit echtem Publikum nicht ersetzen kann. Der Entzug auf beiden Seiten wächst durch den zweiten, verlängerten Lockdown. Und die Hoffnung, dass alle bald wiederkommen. mws