Programm: Die Börse geht in die Stadtteile und macht Demokratie lebendig

Programm : Die Börse geht in die Stadtteile und macht Demokratie lebendig

Das soziokulturelle Zentrum startet mit zahlreichen Projekten ins erste Halbjahr 2019.

Die Kultur macht sich auf den Weg zu den Menschen, bezieht gesellschaftlich Stellung. Mittendrin: die Börse. Unter dem Motto „Kultur mit allen - Demokratie“ bietet das Wuppertaler soziokulturelle Zentrum zahlreiche Projekte im ersten Halbjahr, die längst nicht alle in der Zentrale an der Wolkenburg stattfinden, sondern in den Quartieren Hesselnberg und Südstadt. Basis sind Fördergelder, die wohl die Summe von 200 000 Euro erreichen werden und ein entsprechender Eigenanteil der Börse sowie eine funktionierende Infrastruktur, die im personellen Bereich verbessert wurde. „Wir werden 2019 die Soziokultur gut in der Stadt sichtbar machen“, gibt Börse-Leiter Lukas Hegemann als Ziel aus, freut sich, dass die Färberei in ihrem Stadtteil auf gleichen Pfaden wandelt.

Politische Bildung so gestalten, dass die Menschen sie annehmen. Projektleiter Lothar Jessen arbeitet seit Jahren daran - im Herbst 2018 entstanden die ersten Demokratie Werkstätten, aus denen nun das Forum für Hesselnberg und Südstadt hervorgeht, das einmal im Monat „gemeinsam Ideen plant, Mängel benennt und Lösungen angeht“. Am 26. Mai, Tag der Europawahl, findet ein Nachbarschaftsfest mit Umzügen und Kunstaktionen statt, denn, so Karin Böke, „Europa ist regional und lokal, es ist dort, wo die Menschen wohnen und zu Hause sind“.

Weitere Projekte sind eine Geschichtswerkstatt, in der die Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadtquartiere historische Spurensuche betreiben, und „Stadtteilschreiber“, das das Erarbeitete dokumentiert und spiegelt - auf Plakatwänden, Anzeigen und in den Medien.

Beginn eines weiteren Austauschs mit den Menschen und Anknüpfungspunkt für Dagmar Beilmann, die die Schwerpunkte Tanz, Theater, kulturelle Bildung und Jugendarbeit betreut. Das Projekt „Lebe Dein Quartier“ fordert vor allem junge Mütter, Menschen mit Migrationshintergrund und Erwerbslose auf, ihre Sicht auf ihr Viertel künstlerisch umzusetzen und damit die Dokumentation des Stadtteilschreibers zu ergänzen.

Vom 19. bis 26. Mai ist - nach einem Jahr Pause - wieder ein junges Theaterfestival geplant. Ebenfalls im Frühjahr gehen die Theaterpädagogin Nelly Köster und der Choreograph Milton Camilo in die Grundschule Hesselnberg, um mit den Kindern ein Bewegungstheaterstück einzustudieren. Tom Tykwer hat eingewilligt, dass das junge Börsenensemble seinen Film „Der Krieger und die Kaiserin“ auf die Bühne bringt, „mit vielen Kriegern und vielen Kaiserinnen vor dem Hintergrund Wuppertal“, erklärt Böke. Für den Sommer sind dann wieder der Kulturrucksack und ein Tanzfilmprojekt mit dem Verein tanzrauschen vorgesehen.

Ein Chor singt und rappt
die Menschenrechte

Sie haben sich bereits einmal getroffen, die nächste Probe folgt am 18. Februar. Weitere Interessierte sind sehr willkommen. Der Menschenrechte Chor bringt Sangeswillige im Alter von 16 bis 27 Jahren zusammen, die die Menschenrechte in vielen Sprachen singen und rappen. „Die Menschenrechte gehen uns alle an, sie vereinen uns“, sagt Böke und nennt als Ziel einen regelmäßig sich treffenden Chor, der sich später auch anderen Altersgruppen öffnet. Um Musik, Teilhabe und Willkommenkultur bemüht sich auch „Music Cultur Clash“, das migrierten oder geflüchteten Musikern die Möglichkeit bietet, in Wuppertal sich und ihre Kunst weiterzuenwickeln. Hegemann: „Sie können sich hier professionalisieren, damit sie von ihrer Musik leben können.“

Das fängt beim Noten lernen an, kann zu neuen Musikrichtungen und neuen Bands führen und endet bei der Organisation eines Konzerts, weiß Felix Dumnick, der bei der Börse Konzerte, Comedys und Partys plant. Ihm zur Seite steht nun der Musiker Imam Sy, der an der Wolkenburg ein ausbildungsbegleitendes Praktikum absolviert. An fünf Sonntagnachmittagen werden Workshops angeboten, deren Ergebnisse anschließend auf der Bühne präsentiert werden.

Schließlich wird die Reihe „neueshören“ mit jungen Musikern der Region fortgesetzt, gibt es Ende März das dreitägige Kunst- und Kontemplation-Festival (30. März in der Börse) mit Musikproduzent Golow, gibt es das Standardunterhaltungsprogramm, plant das Team seine Teilnahme am langen Tisch, will am Engelsjahr teilnehmen und sich beim Pina Bausch-Zentrum einbringen. Die Börse ist eben mittendrin.

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