Die ägyptische Maria: Oper in der Kirche

Die ägyptische Maria: Oper in der Kirche

Die Wuppertaler Bühnen feierten am Samstag Premiere in der Immanuelskirche.

Wuppertal. In der Immanuelskirche startete am Samstagabend die Kirchen-Reihe „Oper in der Stadt“. Die Wuppertaler Bühnen hatten sich für die Oper „Maria Egiziaca“ (Die ägyptische Maria) von Ottorino Respighi entschieden, die 1932 in New York uraufgeführt wurde.

Dem Stil eines mittelalterlichen Mysterienspiels trägt auch die Inszenierung von Johannnes Blum Rechnung, der auf strenge konzertante Aufführung in Kostümen (Johannes Weigand) setzt. Weder szenisch-dramatische Ausschmückung noch Bühnenbild begleiten die Handlung, die nach einer Heiligenlegende aus dem 6. Jahrhundert den Wandel der Maria aus Ägypten von der Hure zur Heiligen beschreibt. Ohne Übersetzung der italienischen Texte muss das Publikum auskommen, aber immerhin lockern Videoprojektionen (Medienprojekt Wuppertal) auf. Deren Bildfolge mit der Handlung zu verknüpfen, fällt allerdings nicht immer leicht.

Also bleibt Respighis Musik der Mittelpunkt: Das Sinfonieorchester unter Florian Frannek taucht in die mit Stilmitteln der Gregorianik und Renaissance gespickte Musik mit großem Einfühlungsvermögen ein.

Auch die Sängerinnen und Sänger sowie der im antiken Stil von der Empore aus agierende Chor (Einstudierung: Jens Bingert) überzeugen in hohem Maße und schaffen eine Innenspannung von ungeheurer Wucht.

Ob die nur mit Cembalo begleiteten Rezitative oder die in epischer Breite ausgesponnenen vokalen Passagen: Immer streichelt die Musik die Seele oder packt im Innersten mit ihrer archaischen Kraft. Dorothea Brandt singt den Part der Maria bewegend, mit nahezu untimbriertem, kraftvollem und in der Höhe strahlendem Sopran.

Ihr stehen Christian Sturm (Tenor) und Thomas Laske (Bariton) mit markanten und tragfähigen Stimmen nicht nach. Auch die kleineren Rollen sind mit Annika Boos und Joslyn Rechter vortrefflich besetzt. Maria muss Stufen der Läuterung durchleiden, der Zugang zur Kirche in Jerusalem wird ihr verwehrt. Endlich aber, nachdem sie den eleganten Frack und Zylinder mit dem weißen Büßerhemd vertauscht und Jahre der Buße in der Wüste verbracht hat, kann sie in Frieden sterben. “ S. 9

“ Die Oper dauert 70 Minuten ohne Pause. Weitere Vorstellungen gibt es in zehn Wuppertaler Kirchen. Nähere Infos zum Spielplan gibt es im Netz.

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