1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Der Weg ist das Ziel: Eine Pianistin auf großer Reise

Der Weg ist das Ziel: Eine Pianistin auf großer Reise

porträt Verena Louis kennt keinen Stillstand: Die 40-Jährige liebt und lebt Musik.

Reisen gehört elementar zum Leben von Verena Louis. Schon als Kind wechselten ihre Eltern im Drei- bis Vierjahresrhythmus den Wohnort, zogen von Bonn nach Paris und Portugal. Seit eineinhalb Jahren wohnt die Pianistin jetzt in Wuppertal - ihrem Ehemann Heiner Louis folgend, der Orchesterdirektor des Sinfonieorchesters ist.

Auch weiterhin ist die Musikerin häufig unterwegs. Alle drei Wochen oder in Prüfungszeiten jede Woche pendelt sie nach Basel, um dort die Geigenklasse von Adelina Oprean am Klavier zu begleiten. "Ich mag diese Arbeit, wenn ich die Studenten über Jahre hinweg begleite und ihre Entwicklung sehe", sagt die 40-Jährige. Ihren zweijährigen Sohn Gustav gibt sie während ihrer Reisen entweder bei ihren Eltern in Bonn ab oder nimmt ihn einfach mit: "Die Studentinnen reißen sich immer darum, auf mein Baby aufzupassen."

Auch in Barmen hat Verena Louis ein umfangreiches Netzwerk an Betreuern aufgebaut. Häufig ist sie auch unterwegs, um die Teilnehmer von Wettbewerben zu begleiten: "Bei Geige gibt es kaum ein Stück, das ich noch nicht gespielt habe." Angefangen hatte alles, als sie selbst beim Deutschen Wettbewerb in Berlin teilnahm. Zur Übung hatte sie sich mit ihrer Partnerin beim Brahms-Wettbewerb beworben: "Wir sind da so unbefangen hingefahren, dass wir Erfolg hatten."

Anschließend war die Pianistin so beglückt, dass sie in Berlin ein Stipendium für eine einjährige Konzertreihe quer durch die Republik erhielt. Ihr zugeteilt wurde der Bariton Timothy Sharp, mit dem sie noch heute zusammen auftritt und am Montag auch im Kanzlei-Konzert bei Engel & Paschhoff spielt.

Zwei Jahre später bewarb sie sich als Begleiterin für den Deutschen Wettbewerb, und dort lernte sie auch ihren Mann Heiner kennen, der in der Organisation arbeitete. "Ich finde, das ist eine tolle Arbeit - die Leute spielen auf Top-Niveau, mit völlig unterschiedlichen Interpretationen." Bei der Korrepetition gehe es darum, sich der jeweiligen Auffassung des Solisten anzupassen und unterzuordnen.

Für die Wettbewerbe muss Louis oft eine große Menge an Stücken parat haben: "Das ist eine ganz andere Arbeit, als wenn man für ein Konzert an jedem Ton feilt." Als Ausgleich gründete sie zusammen mit den Sinfonikern Keiko Kakuma-Hulverscheidt (Geige) und Vera Milicevic (Cello) das Trio Phlox: "Ich wollte einfach so mit jemandem spielen, ohne sofort aufzutreten."

Trotzdem hat sie schon jetzt einen Konzerttermin in der Stadthalle mit dem Trio Phlox im Kalender stehen. Und in den Sommerferien reist sie samt Mann und Sohn ins Burgund, um dort selbst einen Meisterkurs zu geben.