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Der Thesatermacher kämpft weiter um seine Komödie und plant die Wiedereröffnung für September 2021 - wo auch immer.

Stößels Komödie : „Die Menschen werden sich nach Live-Theater verzehren“

Hätte ihn jemand im März gefragt, wie lange sein Theater durchhalten würde, hätte er keine zwei Monate geschätzt. Damals war Deutschland abrupt in einen Lockdown geschickt worden. „Wir kommen wieder“, verspricht Kristof Stößel heute.

Auch wenn seine Komödie seit Ende September geschlossen ist, er sie wohl erst im September 2021 wieder öffnen wird und nicht klar ist, ob sie dann noch gegenüber dem Karlsplatz zuhause ist. Auch wenn der zweite Lockdown gerade weitere Einschränkungen bringt. Der Theatermacher setzt dem seinen Kampfgeist und seinen Optimismus entgegen. „Nach dem Jahr glaube ich auch an Wunder.“

160 Plätze hat Stößels Komödie, 145 davon waren im Durchschnitt vor der Coronakrise besetzt. „Wenn hundert belegt sind, ist alles gut“, erklärt er. Die Spielzeit 2020 begann mit einer 23 prozentigen Auslastung - viel zu wenig, also wurde das Theater geschlossen. Stößels kleineres Theater Flin in Düsseldorf hielt etwas länger durch - bis auch dort verschärfte Auflagen  absolute Unwirtschaftlichkeit herbeiführten. Seither stellte  er   soviel Förderanträge wie noch nie, ging mit seinen drei festen Mitarbeitern in Kurzarbeit, sorgt sich um die  14 Aushilfen und etwa 20 Schauspieler, die keine Hilfe vom Staat erhalten. Er  nutzte das Theater systematisch für Events, konzipierte mit dem Sonnborner Restaurant Scarpati Krimidiners,  die ab dem kommenden Frühjahr stattfinden sollen. „Die Gutscheine dafür sind noch ohne festen Termin, werden aber gut nachgefragt“, freut sich der Theatermacher. Außerdem soll Fabienne van Straten, sein künstlerisches Alter Ego, von März bis Juni wieder durch die Stadt führen.

Förderung, Sponsoren und
viele Ideen gegen das Minus

Vor allem aber ist Stößel digital unterwegs, kümmert sich um einen  Online-Adventskalender, plant Online-Shows. Die beliebten „Christmas Divas“ um Fabienne van Straten werden an mehreren Streaming-Terminen zwischen dem 19. und 23. Dezember mit viel Musik  und Gesprächen unterhalten. Die Besucher erwerben mit dem Ticket einen Youtube-Link, der ihnen nach Hause geschickt wird. Auf dem gleichen Weg kommt auch Stößels Ensemble mit Sketchen, Liedern und Spielen am Silvesterabend von 21.30 bis 0 Uhr ins heimische Wohnzimmer. Für ihn selbst ist es „das erste freie Silvester seit vielen Jahren“.

Gestalt nimmt auch der neue Spielplan für 2021/22 an, der wegen der Kosten  Stücke mit kleineren Besetzungen bringen soll. Die Komödie „Extrawurst“ um einen Tennisclub, der sich  bei der Anschaffung eines Grills im Dickicht gesellschaftspolitischer Befindlichkeiten verfängt, soll darauf stehen, „weil sie  lustig ist und in die Zeit passt“. Ebenso „Nackte Tatsachen“ um eine Männerfreundschaft, die vor harte Bewährungsproben gestellt wird. Und die gerade erst erschienene Weihnachtliche Geschichte „Bäumchen wechsel dich“ von Florian Battermann.

Ob die Stücke allerdings in der Komödie an der Friedrichstraße  gezeigt werden können, ist   ungewiss. Das Lager wurde bereits gekündigt, zum Glück fanden sich Sponsoren für ein Quartier an anderer Stelle. Auch Frau van Straten bekam in einem anderen Haus ein Zimmer. Alle  Bemühungen um eine Mietreduzierung angesichts fehlender Einnahmen liefen jedoch bislang ins Leere. „Das Haus ist sehr schön. Wenn es einen Weg gibt, hier zu bleiben, dann machen wir das“, stellt er fest und schaut sich sicherheitshalber nach anderen Locations um.

Das 35 000 Euro Minus vom Frühsommer konnte dank Landesförderung ausgeglichen werden. Mittlerweile  aber  will eine ähnlich hohe Summe  bezahlt werden. Also versucht Stößel Geld einzuspielen - durch Gutscheine und eine Art Lagerverkauf im Theater-Foyer, bei dem Kostüme, auch Schmuck und Schuhe von Fabienne van Straten, und Getränke  sowie Schutzmasken angeboten werden, die vor Ort aus dem gewünschten Stoff entstehen. Der Verkauf ließ sich gut an, bis der verschärfte Lockdown dazu zwang, ihn bis mindestens 10. Januar  zu unterlassen.

Bleiben die digitalen Show-Aktivitäten, die auch das Team selbst zusammenführt, eine große Familie, die sich gegenseitig hilft, positiv zu denken. Und es bleibt Stößels Versprechen: „Dieses Jahr ist bald rum, vergessen wir es schnell. Das neue wird besser sein. Die Leute werden sich nach Live-Theater verzehren.“