Der Pianist Herbert Schuch ist Solist im dritten Sinfoniekonzert der Wuppertaler Sinfoniker.

Pianist : Stete Annäherung ans ideale Spiel

Der Pianist Herbert Schuch ist Solist im dritten Sinfoniekonzert der Wuppertaler Sinfoniker.

Wenn man mit dem Pianisten Herbert Schuch spricht, sind, zumindest gedanklich, der Pianist Alfred Brendel und der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart nicht fern. Dessen Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491 spielt der 40-jährige, vielfach ausgezeichnete Schuch am Sonntag in der Wuppertaler Stadthalle. Zusammen mit dem Sinfonieorchester im dritten Sinfoniekonzert der Spielzeit. Das erste gemeinsame Konzert.

In Mozarts Klavierkonzert, so Schuch, gebe es einen vierstimmigen Satz, den der Pianist ganz allein zu spielen habe, „eine Stelle, an der die meisten Pianisten elegant aufgeben“. Nicht so Brendel, der hier unglaubliche Meisterschaft bewiesen habe, so dass der nachfolgende Orchestereinsatz „flach wirkte“, erinnert Schuch. Er nimmt diesen Eindruck als Inspiration für sein eigenes Spiel mit.

Brendels Meisterschaft als Inspiration für das eigene Spiel

Ein Konzert muss beeindrucken, findet Schuch, was bei Mozart nicht nur Musik, sondern auch Bühne, Oper und Drama bedeute. Viele Faktoren seien unter einen Hut zu bringen, man müsse üben, performen „bis man schwarz wird“. Und dennoch nähere man sich dem Ideal nur an, erziele nur Etappensiege, verharre in work in progress, was er „unglaublich spannend“ finde. Zur Vorbereitung gehört natürlich auch das Studium der Noten. Der Pianist tut dies mit einem Faksimile der Konzert-Autografie Mozarts, die mit eigenwilligen Figurenzeichen gespickt ist. Er schätzt Mozart wie auch die anderen bekannten klassischen Komponisten, die komplexe Werke hinterlassen haben, die man sich nicht im Schnelldurchlauf einverleibe, sondern über Jahrzehnte erarbeite. Man müsse sich immer wieder neu justieren, ihre Musik sei wie ein Fisch, den man nicht mit der Hand greifen könne.

Wuppertal ist für den gebürtigen Rumänen, der im Alter von neun Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam, keine unbekannte Stadt. Erst im Februar sprang er für den erkrankten Seong Jin Cho ein und spielte mit dem WDR-Orchester in der „wunderschönen und toll klingenden Stadthalle“. Außerdem erlebte er Alfred Brendel 2006 hier, was ihm auch deshalb nachdrücklich in Erinnerung blieb, weil er am Tag nach dessen Konzert in einem kleinen Nebensaal der Halle von ihm unterrichtet wurde. Brendel kämpfe immer intensiv um die Musik, es sei zwar nicht einfach, in seine Welt einzusteigen, bedürfe einer gewissen Reife, aber wenn man es geschafft habe, sei es um so schöner: „Es lohnt sich.“

Kammermusik, Einspielungen und ein Herz für die Jugend

Die Pianistenlegende Brendel gehört zu den prägenden Persönlichkeiten auf Schuchs Weg. Zuvor waren dies der Vater, ein „leidenschaftlicher Hobbymusiker“, der ihn schon als Kind ans Klavier heranführte. Er sorgte dafür, dass er als Sechsjähriger noch in Rumänien mit Maria Bodo eine sehr gute Lehrerin bekam. Er kümmerte sich in Deutschland darum, dass er in die Klasse von Karl-Heinz Kämmerling am Salzburger Mozarteum aufgenommen wurde. „Es ist wichtig, wenn jemand die Ausbildung steuert. Ich habe da wirklich Glück gehabt“, ist Schuch seinem Vater dankbar, erinnert, wie er noch zu Schulzeiten einmal in der Woche aus Rosenheim, wo ihn das musikalische Gymnasium für einen Tag in der Woche freistellte, mit der Bahn nach Salzburg fuhr – sozusagen sein persönlicher „friday for future“. Das Üben machte ihm nie Schwierigkeiten, wobei die Fortschritte im Spiel sicherlich dazu beitrugen. Der Gewinn zahlreicher Wettbewerbe – ob Jugend musiziert oder Beethovenpreis in Wien, der ihn besonders freute – sei zwar wichtig, weil man so Aufmerksamkeit erlange. Beruflichen Erfolg garantiere das aber nicht, da hätten nicht unbedingt die musikalisch interessanten Künstler die Nase vorn, sondern eher die, die sich gut verkaufen können.

Schuch lebt in Köln, gibt Konzerte als Solopianist und Kammermusiker, seine CD-Einspielungen begeistern die Kritiker. Selbst mittlerweile Vater gibt er sein Wissen weiter. Für die Initiative „Rhapsody in School“ wirbt er in Klassenzimmern für das Klavierspiel. Für das Programm „Solist in der Schule“ der Wuppertaler Sinfoniker stellt er sich am Montag, 18. November, den Fragen der siebten Klassen der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg, nachdem diese das Konzert besucht haben.

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