Der Peter Hammer Verlag entdeckt das Kind im Mond

Der Peter Hammer Verlag entdeckt das Kind im Mond

Im Frühjahr gibt es Fabelhaftes und Märchenhaftes.

Wuppertal. Verlagsleiterin Monika Bilstein würde ihn gerne als Galionsfigur bezeichnen. Doch Eduardo Galeano, im Wuppertaler Peter Hammer Verlag ein Autor der ersten Stunde, „würde diese Bezeichnung nicht mögen“, wie Bilstein erklärt. „Einsam aufgereckt am Bug irgendeines Schiffes — das ist kein Platz für ihn.“ Galeano definiere sich eher als einen „Erzähler, der von Menschen überquillt“, der seine Geschichten nicht erfinde, sondern finde.

Wer eine etwas andere Geschichtsschreibung sucht, kann sie — in diesem Sinne — im Peter Hammer Verlag entdecken. Im Frühjahrsprogramm kündigt Monika Bilstein „Kinder der Tage“ an: In seinem neuen Buch, das Ende Februar erscheint, erzählt Galeano 365 kleine Geschichten. Der Schriftsteller aus Uruguay, 1940 in Montevideo geboren, ordnet seine Miniaturen chronologisch — vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Jede Geschichte steht mit dem jeweiligen Datum in Verbindung: Galeano springt durch die Jahrhunderte und durch die Kontinente. Wobei es immer wieder um das Eine geht: um das ewig währende Prinzip von Oben und Unten, Macht und Ohnmacht.

Damit bleibt das Bücher-Team den eigenen Prinzipien treu. Denn der Verlag hat ein klares Profil: Er steht vor allem für Literatur aus Afrika und Lateinamerika — und für eine spezielle Auswahl an Bilder- und Kinderbüchern, die nicht selten von Preisen gekrönt sind. Natürlich gibt es auch aus dieser Rubrik neuen (Vor-)Lesestoff. So soll „Das Kind im Mond“ von Wuppertal aus die Kinderzimmer erobern: Jörg Schubiger erzählt von einer Familie, die in himmlischen Gefilden lebt — darunter von einem Mondkind, das große Sehnsucht hat, die Erde kennenzulernen. Die fantastische Erzählung soll Kinder ab fünf Jahren faszinieren. Illustrator Aljoscha Blau serviert dazu die passenden Mond-Bilder.

Während Nadia Budde bilderbuchmäßig die Helden des Alltags feiert („Und außerdem sind Borsten schön“), indem sie das Hadern mit der Frisur, den fehlenden Muskeln und überflüssigen Kilos aufs Korn nimmt, setzen Harriet Grundmann (Text) und Tobias Krejtschi (Illustrationen) auf ein mutiges Mädchen und viele Schafe: „Die Sache mit Nummer 8“ dreht sich um den berühmten Wolf im Schafspelz, der im Wuppertaler Verlag von seiner Vergangenheit eingeholt wird und es mit einem Rudel blutrünstiger Wölfe zu tun bekommt. Es geht um Ängste, aber keine Angst: Brutal und bestialisch wird es nicht, schließlich richtet sich die Geschichte an Bilderbuch-Freunde ab vier Jahren.

Auch „Lampedusa“ — der Ethnologe Gilles Reckinger lenkt den Blick auf die kleine Mittelmeer-Insel — und „Die Kröte, der Marabut und der Storch“ sollen das Frühjahr tierisch bereichern. Dahinter verbergen sich traditionelle Fabeln und Märchen aus Westafrika, die Amadou Hampâté Bâ gesammelt und aufgeschrieben hat. Was sie mit Wuppertal zu tun haben? Sie erscheinen erstmals in deutscher Übersetzung — im Peter Hammer Verlag.