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Marionettentheater: Der letzte Vorhang muss nicht fallen

Marionettentheater : Der letzte Vorhang muss nicht fallen

Ursula und Günther Weißenborn gestalten das letzte halbe Jahr ihres Marionettentheaters. Und arbeiten an einer künstlerischen Zukunft am Neuenteich.

Das Programm steht, enthält viele liebgewonnene Stücke und erfährt durchaus guten Zuspruch von den Zuschauern. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass Müllers Marionettentheater nach 32 Jahren in Wuppertal 2020 aufhört. Und doch sollen die Vorstellungen am 19. und 21. Juni die letzten sein. „Ende gut - alles gut!“ steht deshalb im Spielplanheft geschrieben. Zugleich sind Ursula und Günther Weißenborn voller Ideen und haben den Kampf um eine weitere, das Figurentheater fördernde Nutzung ihrer Räume am Neuenteich nicht aufgegeben.

2019 war kein gutes Jahr. Zunächst war da der Gedanke ans Aufhören. Das (Renten-)Alter und die Erkenntnis, dass die Gesundheit nicht ewig strapaziert werden dürfe, führten dazu, dass die Theaterleute Weißenborn den Beschluss fassten, einen Nachfolger zu suchen. Nach zwei Wasserschäden mussten teils nicht durch Versicherungen gedeckte Reparaturkosten beglichen und 300 schlichtweg zerstörte Puppen weggeworfen werden. Vor allem aber wurde dem Förderverein des Theaters die Gemeinnützigkeit aberkannt. Weil nach 23 Jahren die Regeln neu ausgelegt wurden. Eine Entscheidung, die sich schon im großen Jubiläumsjahr 2018 angebahnt hatte und nun den Spendenfluss stoppte. Finanzielle Folge: Weißenborns fehlen rund 18 000 Euro: „Es könnte passieren, dass wir als Familie am Ende draufzahlen müssen“, sagt der Dramaturg. Spielplan-Folge: Die für März geplante Abschiedsinszenierung von Wolf Erlbruchs „Die fürchterlichen Fünf“ mit Musik der Band „Fortschrott“ um Uli Klan wurde gecancelt. Nun sind weder ein Abschlussfest, noch „große Dramatik“ geplant.

Auch der Versuch, einen Nachfolger fürs Theater zu finden, musste aufgegeben werden. Fünf Interessenten gab es, intensive Gespräche wurden geführt, der passende Deckel für den Topf aus künstlerischen Ansprüchen und unternehmerischem Knowhow wurde nicht gefunden.

Weil man aber nach so vielen Jahren des Einsatzes und künstlerischer Leidenschaft und mit Vermietern, die an einer weiteren kulturellen Nutzung der knapp 300 Quadratmeter im Haus am Neuenteich interessiert sind, nicht einfach aufgibt, ersannen die Theaterleute ein neues Konzept: An die Stelle des Gewerbeunternehmens Marionettentheater soll eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft treten, das Theater als soziokultureller Begegnungsraum genutzt werden.

Der Theaterraum als soziokultureller Begegnungsraum

Darin sollen Marionetten ausgestellt und Kompetenzen im Lesen und Schreiben gefördert werden; Figurentheater Gastspiele geben; therapeutische Veranstaltungen mit Puppen, Workshops im Masken- und Puppenbau oder zur Entwicklung von Marionettenstücken stattfinden; mit Kindern Musiktheater entwickelt werden. „Das Orffsche Schulwerk mag antiquiert sein, aber seine Idee ist genial. Und wir haben neue technische Methoden und die Marionetten“, erklärt Weißenborn.

Für diesen Ideen-Strauß will er im Februar den Förderverein gewinnen, unter dessen 108 Mitgliedern viele seit der Gründung mitwirken. Die Gesellschaft müsste bald gegründet werden, so dass das Programm zum neuen Jahr volle Fahrt aufnehmen könnte. In Denise Zobler, die die Geschäfte des Marionettentheaters führt, steht eine Geschäftsführerin bereit. Und die Weißenborns bleiben in Wuppertal und damit in Reichweite – in ihrem Haus in Hahnenfurth und im Atelier am Neuenteich, in dem Ursula Weißenborn malt.

Bis Mitte des Jahres läuft der Spielbetrieb nun weiter. Auf dem Programm stehen eigene Wunsch-Inszenierungen, „Aladin und die Wunderlampe“ (Februar), „Die Schneekönigin“ (März), „Des Kaisers neue Kleider“ (April), „Aschenputtel“ (Mai), „Brummel, das Musical“ (Juni) sowie „Lysistrata“ (9. Mai) und „Die Entführung aus dem Serail“ (19. Juni). „Wir gieren danach, alles zu spielen“, strahlt Weißenborn. Und weist auf ein allerletztes Highlight hin. Am 8. März wird das Theater zum Ausstellungsraum für Ursula Weißenborn. Die gebürtige Züricherin war im letzten Jahr artist in residence im Wallis, erfand dort die „Snow Art“, sagt Weißenborn nicht ohne Stolz auf seine Frau. Diese malte mit Schneeballen, die sie in Ölfarbe tunkte, feine Bergsilhouetten. Ging mit großem Respekt vor der beeindruckenden Alpenkulisse, die zum Unesco Weltkulturerbe gehört, und dem Anspruch auf Leichtigkeit und mit einer Prise Humor zu Werke.

Den Humor wollen die beiden sich auch in Zukunft bewahren, „wir finden, dass 2020 ein schönes Jahr werden könnte“, sagt Weißenborn und lächelt.