Der junge Geigenvirtuose Kerson Leong spielt am Sonntag mit den Sinfonikern.

Konzert : Vorfreude auf Stadt, Menschen und Konzert

Interview Der junge Geigenvirtuose Kerson Leong spielt am Sonntag mit den Sinfonikern.

Was bedeutet Musik für Sie?

Kerson Leong: Musik ist für mich ein Ausdrucksmittel, mit dem ich meine privatesten Gedanken und Gefühle verstehen und verarbeiten kann.

Wann haben Sie angefangen, Geige zu spielen?

Leong: Mit vier oder fünf Jahren. Ich fühlte mich schon beim ersten Hören stark angezogen, auch davon, dass es eine körperliche Freude ist, Geige zu spielen.

Auf Ihrer Homepage wird Ihre Live-Performance betont.

Leong: Bei einer Live-Performance teilt und fühlt man eine kollektive Energie mit dem Publikum. Das beeinflusst den Auftritt wiederum. Das ist sehr spannend.

Treten Sie lieber auf der Bühne auf oder gehen Sie lieber ins Studio?

Leong: Ja, ich trete gerne auf. In letzter Zeit genieße ich es auch, kurze Clips für soziale Medien (Instagram, YouTube, Facebook) aufzuzeichnen. Auf der Bühne zu spielen ist aufregender, gibt einen Adrenalinkick. Das Arbeiten im Studio ist aber auch befriedigend, weil man objektiver und analytischer sein kann, wenn man die Musik, die man in sich hat, genau verstehen und reproduzieren will.

Sie haben mit 13 Jahren den internationalen Yehudi Menuhin-Wettbewerb in Oslo gewonnen. Beginn Ihrer internationalen Karriere.

Leong: Der Gewinn dieses Wettbewerbs hat mir geholfen, meine internationale Karriere zu starten. Er ist also der wichtigste Preis für mich.

Sie geben Konzerte in der ganzen Welt. Fehlt die Familie?

Leong: Ich reise gerne, treffe verschiedene Leute, lerne etwas über die verschiedenen Konzertkulturen auf der ganzen Welt. Als ich jünger war, begleiteten mich oft meine Mutter oder mein Vater. Ich habe mich daran gewöhnt, alleine zu reisen, aber meine Auftritte führen mich oft nach Nordamerika, so dass ich regelmäßig nach Hause kommen kann.

Sie spielen eine sehr wertvolle Violine von Guarneri del Gesu.

Leong: Es ist eine Leihgabe von Canimex Inc., einem kanadischen Unternehmen in Drummondville, Quebec. Der Präsident des Unternehmens, Roger Dubois, und seine verstorbene Frau, sind große Unterstützer der Künste in Quebec und Kanada. Sie leihen mir seit 2010 wertvolle Instrumente aus ihrer Sammlung. Ich bin Ihnen sehr dankbar.

Was macht das Instrument aus?

Leong: Ich habe schon viele exzellente und wertvolle Instrumente gespielt, darunter Stradivaris und del Gesùs. Aber diese Geige hat ein Timbre, das der inneren Stimme, die ich zum Ausdruck bringen möchte, am nächsten kommt. Sie hat ein tiefes und kraftvolles Ende, eine reiche Qualität mit einer Spur rauer Beherztheit. Das liebe ich.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Leong: Wenn ich auftrete, versuche ich der Musik gerecht zu werden, die ich spiele. Sollte ich einen Komponisten wählen, wäre es Brahms.

Sie unterrichten auch gerne.

Leong: Ich finde es toll, meine Erfahrungen und Ideen mit den Schülern zu teilen. Es begann als Gastkünstler der Jacobs School of Music der Indiana University. Ich war eingeladen, einen Vortrag zu halten und mit den Schülern zu arbeiten. Daraus wurde mehr. Es ist wichtig, junge Leute für Musik zu begeistern, um die nächste Generation von Musikliebhabern aufzubauen.Und es ist für mich eine großartige Lernerfahrung, wenn ich ein Konzept so gut wie möglich in Worten zu erklären versuche.

Sie sind Artist-in-Residence in Kanada und Belgien.

Leong: Als Artist-in-Residence des Orchesters Metropolitain habe ich gerade fünf Mal mit dem Korngold-Violinkonzert in Montreal gespielt. Ich werde das Bartok First Concerto zusammen mit dem Musikdirektor, Maestro Yannick Nezet-Seguin, und dem Orchester im März 2019 aufführen. Als Artist-in-Residence an der Queen Elisabeth Music Chapel im belgischen Waterloo arbeite ich eng mit meinem Mentor, dem Geiger Augustin Dumay, an meinem Artist Diplom zusammen und nehme an vielen Aufführungen teil.

Sie sind erstmals in Wuppertal?

Leong: Ich habe viel über Wuppertal gelesen. Ich freue mich auf meine Zeit hier, will in den fast sechs Tagen, die ich hier bin, die Atmosphäre der Stadt genießen, Menschen treffen, Musiker wie Musikliebhaber.

Was spielen Sie bei ihrem Konzert?

Leong: Ich spiele das Bartók-Violinkonzert Nr. 2. Es ist sicherlich eines, wenn nicht das größte Violinkonzert des 20. Jahrhunderts, stark von der Volksmusik beeinflusst, die Bartók in seiner Heimat gesammelt hat.

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