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Der Fagottist Werner Riegler und der Kontrabassist Dietmar Wehr spielen beim Sinfonieorchester und unterrichten freiberuflich an der Musikschule.

Musikunterricht : Den Spaß an der Musik weitergeben

Der Fagottist Werner Riegler und der Kontrabassist Dietmar Wehr spielen beim Sinfonieorchester und unterrichten freiberuflich an der Musikschule.

Als Dietmar Wehr jung war, musste er sich selbst den Weg zu seinem Musikinstrument erschließen. Über Klavier, Trompete, Gitarre, Horn und Geige führte der Weg, bevor er beim Kontrabass landete. Ein Jazzkonzert hatte seine Begeisterung geweckt. Heute ist der 64-jährige Berufsmusiker ein überzeugter Musikvermittler – privat, im Sinfonieorchester Wuppertal und an der Bergischen Musikschule, an der er selbst früher unterrichtet worden war. Seit Februar gibt er dort zwei Schülern Unterricht, nachdem er seine Mitarbeit als freiberufliche Lehrkraft angeboten hatte, „weil ich was Gutes tun will“. Darin ist er sich mit seinem Kollegen und Fagottisten Werner Riegler einig, der ebenfalls an der Musikschule unterrichtet. Dies allerdings schon seit 30 Jahren. Während Wehr die kürzeste Dozentenzeit aufweist, ist Riegler am längsten an der Hofaue tätig.

Das Orchester gehört zum Weg eines Musikschulschülers

Seit 1965 gibt es die Bergische Musikschule, genauso lange währt die Kooperation mit dem Sinfonieorchester. Eine natürliche Zusammenarbeit und eine von vielen der Einrichtung. „Es ist gut, dass Sinfoniker, die beide Seiten kennen, bei uns unterrichten, weil ein Orchester zum Weg eines Musikschulschülers gehört“, erklärt Musikschulleiter Raphael Amend. Weist darauf hin, dass Freiberufler im Betrieb der Musikschulen essenziell sind.

Riegler genießt den Unterricht, empfindet ihn als Bereicherung, „da ich immer hinterfrage, was ich mache, das begreiflich machen muss“. Der gebürtige Heidelberger lernte als Kind zunächst das Klavierspiel. „Als ich 16 Jahre alt war, wollte ich mit anderen zusammen spielen. Mein Lehrer meinte, da kämen nur Posaune oder Fagott in Frage, für die Streicher war ich schon zu alt“, erinnert er sich. Der Zufall wollte, dass er damals nur einen Fagottisten erreichte, der ihn fortan unterrichtete. Das Instrument gefiel ihm von Anfang an, er machte rasche Fortschritte, studierte nach der Schule Musik. Seit 1983 gehört er dem Sinfonieorchester Wuppertal an, anfangs noch parallel zum Studium in Heidelberg/Mannheim.

Kleinere Instrumentengrößen erleichtern den Einstieg

Ein Kollege im Orchester fragte ihn 1990, ob er an der Musikschule unterrichten wollte. Riegler wollte, hatte zeitweise an die 14 Schüler, was schon an die Grenzen der Belastung ging. Darunter eine Zeitlang auch Raphael Amends Mutter. Es sei schon witzig, dass der kleine Junge von damals heute hier sein Chef sei, sagt Riegler und schmunzelt. Amend lernte später übrigens das Geigen- und nicht das Fagottspiel. Heute hat der Sinfoniker Riegler drei Schüler, ist er der einzige Fagottlehrer an der Musikschule. Dabei können Kinder rasch eine Melodie spielen, allerdings sei das Fagott auf das klassische Repertoire beschränkt und müssen Interessierte erstmal die richtige Atemtechnik lernen. Bei einem kleinen, zierlichen Mädchen sei das schon mal so schief gelaufen, dass er ihr zum Aufgeben raten musste, erinnert er sich. Damals habe es aber auch noch keine Fagottini (kleine Fagotte) gegeben.

Auch Wehrs Instrument gehört nicht zu den gefragtesten. Zwar sei der Kontrabass ein Allrounder, der sich für Klassik, Popp, Jazz und Folklore eigne, aber er erschließe sich wie das Fagott nicht beim ersten Hören. Das sei beim Klavier eben anders. So gibt es leider nur eine Handvoll Schüler und zwei Dozenten an der Musikschule. Selbstredend hat die Schule auch kleinere Kontrabass-Größen. Und mit Wehr einen Lehrer, der „den Spaß am Unterrichten weitergeben will, damit andere auch Spaß haben“, erzählt der gebürtige Wuppertaler, der seit vielen Jahren auch bildender Künstler, „innerlich halb und halb Musiker und Maler“ ist.

Wehr wurde in einer musikalischen Familie groß. Als er Kontrabass-Unterricht nehmen wollte, um Jazzmusiker zu werden, musste er erstmal davon überzeugt werden, dass eine klassische Ausbildung nützlich ist. 1972 kam er zur Musikschule, wurde Schüler von Heinz Klaas, der ihn förderte, ins Orchester schickte. Die Verbindung der beiden hält bis heute. Mit der Zeit entdeckte Wehr die Klassik für sich, studierte in Wuppertal und Essen, fand in dieser Zeit ins Sinfonieorchester, dem er seit 1988 fest angehört.

Sein Engagement in der Education des Orchesters sei ihm wichtig, seine neue Lehrtätigkeit eine Rückkehr und große Freude. Die Aufnahme bei der Musikschule sei sehr herzlich, erzählt er. Viele freuen sich und sagen: „Endlich bist du bei uns.“