Der Este Risto Joost dirigiert das erste Chorkonzert der Sinfoniker am Sonntag.

Chrokonzert : Konzert mit Amadeus Mozart und Arvo Pärt

Der Este Risto Joost dirigiert das erste Chorkonzert der Sinfoniker am Sonntag.

Er stammt aus einem Volk, das - gemessen an seiner Einwohnerzahl - viele Orchester hat, musiziert von Kindesbeinen an und gehört zu den innovativsten Köpfen der jüngeren Dirigentenszene. „Musik ist für uns Esten sehr wichtig“, sagt Risto Joost. Am Sonntag können die Wuppertaler dem 38-Jährigen bei der Arbeit zusehen. Er leitet das erste Chorkonzert des Sinfonieorchesters in der Stadthalle.

Drei Tage und fünf Proben - mehr Zeit ist nicht. Aber das ist kein Problem: Joost ist von den Wuppertaler Musikern, ihrer Energie, Offenheit und Konzentration begeistert. Das Programm für Sonntag dreht sich um Wien, weil die ausgesuchten Komponisten, Wolfgang Amadeus Monzart und Arvo Pärt, dort leb(t)en. Ihre Werke (Cantus in Memory of Benjamin Britten, Sinfonie Nr. 25 g-Moll, Fratres und Missa C-Dur KV 257) seien technisch nicht übermäßig schwierig, vor allem Ausdruck sei gefragt, meint Joost. Kein Problem für die Profis - Konzertchor der Volksbühne, Sinfonieorchester, Solisten (Antonia Bourvé, Sopran; Lucie Ceralová, Alt; Peter Aisher, Tenor; Sebastian Campione, Bass) - und den Dirigenten, der diese Ausführungskombination liebt.

Der Weg in die Musik begann im Knabenchor, in den Risto Joost mit fünf Jahren eintrat. Die Schulbildung erfuhr er an einer Spezialschule für Musik in Tallinn. Bei seiner Aufnahme befand die Jury vorausschauend, dass aus ihm ein Dirigent werden würde. Gleichwohl lernte er mehrere Instrumente (Klavier, Trompete, Klarinette, Cello), bildete seine Stimme, wurde ein gefragter Countertenor mit Auftritten weltweit. Joost absolvierte gleich mehrere Musikstudiengänge in Chorleitung und Dirigieren, die ihn auch nach Wien und Stockholm führten. Gewann internationale Dirigierwettbewerbe und gründete Chor- und Instrumentalensembles, leitete die Tallinn Sinfonietta, seit 2013 das Tallinn Kammerorchester (in dem er auch als Solist mitwirkte). Chefdirigate übernahm er beim estnischen Nationalchor (seit 2009), beim niederländischen Kammerchor (2011 bis 2015), ist seit 2016 künstlerischer Leiter des MDR Rundfunkchors Leipzig.

Joost liebt das Dirigieren, „weil ich mich hier als Mensch weiterentwickeln kann“, ist glücklich über das Erreichte. Seine Zukunft sieht er im Dirigat von Orchestern, schätzt besonders Sinfonien und Opern und die Werkfülle, die die der Chorwerke deutlich übertrifft. Bei der Auswahl setzt er zwar auf das klassische Grundrepertoire, kümmert sich aber auch um zeitgenössische Musik, sieht hier auch eine Verantwortung als Dirigent: „Es muss weitergehen. Wir können nicht nur die alte Musik spielen.“ mws

» 1. Chorkonzert, 25. November, 18 Uhr, Stadthalle Johannisberg