Das Sommerloch der Clubszene

Das Sommerloch der Clubszene

WM, Festivals, Urlaub und Grillabende mit Freunden sorgen für Lücken auf den Tanzflächen.

Wuppertal. Herrscht Flaute in den Wuppertaler Clubs? Ein wenig — das sei jedoch saisonbedingt und laut einigen Clubbetreibern kein Grund zur Sorge. So merkt man den Sommer und die beendete Fußball-WM im Barmer Bahnhof schon, sagt Tim Wiedenstritt. „Das ist aber nicht dramatisch. Im Sommer haben wir durchschnittlich 400 bis 500 Gäste pro Wochenende, sonst 600 bis 700.“ Spezielle Angebote habe der Bahnhof nicht. „Wir profitieren von unserem Ruf. Da kommen die Leute auch so.“

Enttäuscht vom Wuppertaler Nachtleben zeigt sich Ralf Nesch. 14 Jahre lang hat er die Partyszene als Teilhaber im ehemaligen Pavillon — heute „B 7“ — an der Bundesallee miterlebt. Anfang 2013 verkaufte er seine Anteile an Geschäftspartner Sascha Richter.

„In Wuppertal hat man keine Chance mehr“, sagt Nesch. „Die Leute gehen weniger weg, und wenn, fahren sie nach Essen, Düsseldorf oder Bochum.“ Einen Großteil der Schuld gibt er dem Rauchverbot. „Die Diskothekenlandschaft geht den Bach runter“, so Nesch. „In den vergangenen vier Jahren hat sich die Szene negativ entwickelt.“

Fast nur noch Mainstream und kostengünstige Getränke seien gefragt. Die Clubs müssten schon etwas Besonderes machen, um Besucher anzulocken. Der warme Sommer trage zum geringen Umsatz der Clubs bei: „Bei dem Wetter sind alle auf der Hardt.“

Tobias Wicht, Betreiber des Butanclub in Heckinghausen, denkt anders: „Wuppertal hat eine super Clubkultur, zum Beispiel in Bezug auf Reggae und Techno.“ Seit 17 Jahren stellt er sich dem Wettbewerb, erarbeitet Highlights, um seinen Club zu füllen. „Immer dasselbe anzubieten, funktioniert nicht.“

Ein „Sommerloch“ gebe es jedes Jahr aus mehreren Gründen: „Im Sommer haben wir eine andere Konkurrenzsituation als in der übrigen Saison von September bis April. Es gibt viele Festivals. Außerdem ist Urlaubszeit.“

Ein Problem seien Ausfälle von Zugverbindungen durch Bauarbeiten der Deutschen Bahn. 70 bis 80 Prozent der Clubber kämen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch das Rauchverbot wirke im Sommer anders — auf Festivals könnten Besucher mitten im Geschehen rauchen.

Trotzdem sagt Wicht: „Unsere Clubkultur stirbt nicht aus. Der Sommer war bisher schwierig, aber das heißt nicht, dass es nicht ab August gut wird. Im Freizeitbereich muss man berücksichtigen, was die Leute bewegt. Nichts ist so spontan, wie abends mit Freunden ein Bier trinken zu gehen.“

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