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Das Sommer-Festival im Swane Café ist eröffnet – 15 Konzerte sind bis Ende August geplant

Das Sommer-Festival im Swane Café ist eröffnet – 15 Konzerte sind bis Ende August geplant : L

Das Sommer-Festival im Swane Café ist eröffnet – 15 Konzerte sind bis Ende August geplant

In Korschenbroich startet unsere Radtour, für die man schon ein wenig Kondition mitbringen muss. Etwas komfortabler fährt es sich mit einem Elektrorad, das auf dem platten Land immerhin für ein wenig „Rückenwind“ sorgen kann. Wer kein E-Bike hat, kann sich eins für 25 Euro am Tag ausleihen (Kaution: 100 Euro). Die Route kann man auch dann auskundschaften, wenn das Wetter nicht unbedingt ideal ist. Bei Sonnenschein radelt es sich freilich entspannter, die Verlockung hier und da ein kleines Päuschen einzulegen, ist aber dann auch größer. Wer diese fast 65 Kilometer lange Runde bewältigen will, sollte auf jeden Fall mindestens vier Stunden reine Fahrtzeit einplanen.

Selbstverständlich kann man auch in Krefeld, Meerbusch oder am Düsseldorfer Rheinufer loslegen. Wir starten aber am Bahnhof Korschenbroich, genauer gesagt an der Werner-von-Siemens-Straße. Korschenbroich (ja, gesprochen bitte mit Dehnungs-i in der Endsilbe: brooch) ist für viele ein stilles, unbedeutendes 33 000-Einwohner-Städtchen am Niederrhein.

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an Alt-Bürgermeister Graf von Spee, der es 1986 mit einer unsäglich antisemitischen Äußerung bis in die Tagesschau schaffte. Aber freilich assoziiert man mit Korschenbroich auch den Bundes-Berti, der im Stadtteil Kleinenbroich wohnt, oder Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, der in Herrenshoff zu Hause ist. Die Korschenbroicher sind Biertrinker, das malzbraune Alt wird gleich nebenan bei Bolten gebraut.

Nun geht’s aber los. Das erste Stück der Route führt durch ruhige Wohnstraßen. Hier schreit ein Kind, in Blumenkästen blühen rote Geranien. Bekannte Szenerie. Provinz sei keine Gegend, sondern eine Einstellung, hat mal jemand gesagt. Das lassen wir mal so stehen. Allzu oft gelingt es sowieso nicht, den Blick festzuhalten, schließlich heißt es losstrampeln, in die Pedale treten. Zugleich gilt es natürlich die Fahrrad-App im Auge zu behalten, will man nicht gleich am Anfang vom Weg abkommen.

Eine spektakuläre Panoramatour ist die „Runde von Korschenbroich“ nicht, aber sie birgt schöne Ausblicke und Entspannung pur. Meist geht es auf ebenen Feldwegen und geteerten Straßen durch die niederrheinische Landschaft. Bis auf ein paar Hunde-Gassi-Geher und Jogger ist kaum jemand unterwegs. Auf den frisch geschorenen Feldern sitzen Krähen und recken ihre Köpfe, in der Ferne sieht man den Kirchturm von Kleinenbroich. Vorbei geht es an Maisfeldern, wo  Bauern mit Schildern für den Anbau werben: „Mais bindet mehr CO2 als Wald“, heißt es da. Im Plauderton radelt man gemütlich vor sich hin. Der Kaarster See liegt nicht weit entfernt, aber für eine Erfrischung ist es noch zu früh.

Die Tour führt schließlich am Nordkanal entlang. Hier lohnt ein kleiner Stopp am Kunstwerk „Brücken über den Nordkanal“, das der Künstler Wilhelm Schiefer 2008 entworfen hat. Das Kunstwerk besteht aus fünf kleinen Häusern, die auf langen Stelzen rechts und links des Nordkanals ruhen. Ein kleiner historischer Exkurs: Mit dem Nordkanal von Neuss nach Venlo wollte Napoleon einst eine schiffbare Verbindung zwischen Rhein und Maas schaffen. Ab Venlo sollte es dann weiter nach Antwerpen gehen. Fertiggestellt wurde das Großprojekt nur in Teilen.

Wir fahren weiter bis nach Meerbusch, überqueren die L 137 und kommen zum berühmten Teehäuschen in der süd-westlichen Ecke des Weyhe-Parks von Haus Meer. Das 1166 von Gräfin Hildegunde von Meer gegründete Kloster wurde nach der Säkularisation ab 1804 von der Krefelder Seidenweberfamilie von der Leyen als Familienschloss genutzt. Das Hauptgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, erhalten blieb neben dem Teepavillon der ehemalige Gutshof, der bewohnt und gewerblich genutzt wird.

Die Route führt weiter über Feldwege und ein kleines Wäldchen. Schaustafeln erklären Bewuchs und die tierischen Bewohner. Die Rheinfähre Langst-Kierst liegt auf Höhe Rheinkilometer 755, mehr als ein Drittel der Strecke (23,5 Kilometer) haben wir bis dahin schon mal geschafft. Die Überfahrt auf Michaela II bis Kaiserswerth dauert gerade mal ein paar Minuten und kostet inklusive Rad zwei Euro pro Person.

Auf Düsseldorfer Stadtgebiet biegen wir links in Richtung Kaiserpfalz ab, die Ruinenanlage am Ufer des Rheins ist rund 1000 Jahre alt und geht auf die Zeit Kaiser Heinrichs III. und Kaiser Friedrichs I. zurück. Hier lohnt sich auch ein kleiner Abstecher zum Biergarten Burghof. Der Speckpfannekuchen für 8,20 Euro hat einen ausgezeichneten Ruf.

Der Weg führt  – traumhaft schön – am Rhein entlang bis zum „Aschlöksken“ im Duisburger Süden. An dieser Stelle kann man schon mächtig stolz auf sich sein, hat man doch schon mehr als die Hälfte der Strecke bewältigt (33,3 Kilometer). Manche behaupten auch, die  urige Garten-Pinte stünde auch noch auf Düsseldorfer Stadtgebiet. Der Biergarten am Rheindeich ist nur bei schönem Wetter geöffnet und ein Kult-Ziel für Radfahrer. Es gibt Kaffee, Flaschenbier, Bochwurst und einen traumhaften Blick.

Nach einer ausgiebigen Pause begint die nächste Etappe, die über die Uerdinger Brücke wieder über den Rhein und nach Krefeld führt (38,7 Kilometer). Die „unechte“ Hängebrücke steht seit 1987 wegen der „baukünstlerischen Auffassung der angestrebten Harmonie zwischen Natur und Technik“ unter Denkmalschutz.

Durch Linn, Bösinghoven und vorbei an Fischeln führt die Route bis nach Willich, wo sie einen kurzen Schlenker durch den Ort macht. Eine bekannte Einkehr ist in Schiefbahn der Kaiserhof. Kein Geheimtipp, aber einfach schön – und mit seinem idyllischen Flair ist das Restaurant mit Biergarten ein lohnender Ort für eine weitere (und letzte) Pause samt Stärkung. Die letzten zehn Kilometer zurück zum Bahnhof Korschenbroich (64,7 Kilometer) radeln sich dann fast von alleine.