Wuppertaler Kultur: Das Schulorchester von damals

Wuppertaler Kultur : Das Schulorchester von damals

80 Musiker aus verschiedenen Jahrgängen des Rau-Gymnasiums spielen wieder zusammen.

Musik verbindet sie alle und ihre ersten musikalischen Orchestererfahrungen haben sie in der Schule gemacht. Im Schulorchester an der Siegesstraße, jetzt Ganztagsgymnasium Johannes-Rau, musizierten sie aber nicht unbedingt gemeinsam, denn von den Musikern des Ehemaligenorchesters haben die ältesten Ende der 1970er Jahre Abitur gemacht, die jüngsten arbeiten noch daran.

„Die Idee, ehemalige Mitspieler zusammen zu trommeln und gemeinsam ein Konzert zu spielen, entstand Ende vergangenen Jahres“, erzählt Christian Tilly. Dabei konnte er auf die Aufzeichnungen seines Vaters zurückgreifen, denn Klaus Tilly leitete von 1967 bis 1998 das Schulorchester. „Mehr als 200 ehemalige Mitspieler haben wir auf unterschiedliche Art und Weise kontaktiert“, erzählt Sohn Christian, der im Ehemaligenorchester Geige spielt und, ebenso wie sein Kollege Jan Ufer, auch noch heute das Schulorchester verstärkt.

„Die Resonanz war überwältigend“, sagt Ufer, der nicht nur Geige spielt, sondern auch für die Percussion zuständig ist. Anfang März fand die erste Probe statt. Dafür sind die Musiker nicht nur deutschlandweit von Hamburg bis München gekommen. Aus Stavanger in Norwegen ist ein Spieler zu den drei Proben eingeflogen. Er wird auch am Samstag beim Konzert dabei sein. Knapp 80 Musiker sind dabei. „Vom Profimusiker bis zum Wiedereinsteiger nach 20 Jahren sind Musiker aus unterschiedlichen Generationen dabei“, erzählt Martin Sonder, heute Musiklehrer am Gymnasium am Kothen.

Ein emotionales
Wiedersehen

Geprobt wurde in der Aula der alten Schule, denn auch die jetzige Direktorin, Christiane Genschel, macht mit. Die letzte Probe ist gleichzeitig die Generalprobe am Konzerttag. „Das Wiedersehen nach so vielen Jahren war etwas Besonderes und sehr emotional“, erzählt Tilly und alle kommen ins Schwärmen, wenn sie an die vergangenen Schulzeiten im Orchester denken. Beatrix Burghoff spielt die „rote Geige“, wie schon auf einer alten Aufnahme zu sehen ist.

Das gemeinsame Musizieren und schöne Orchesterfahrten vermittelten damals ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Toleranz. Seit immerhin 52 Jahren besteht das Schulorchester und die ehemaligen Schüler, die jetzt zusammen musizieren, kennen sich nicht alle untereinander. Doch das tut der Spielfreude keinen Abbruch. „Lieber schräg als leise, ist unser Motto“, sagt Sonder schmunzelnd und Ufer ergänzt: „Das Schöne ist, dass alle sich trauen.“

Die Besucher des Konzertes können sich auf eine Vielzahl von Instrumenten freuen, von Querflöten über Geigen, einer großen Anzahl von Blechbläsern bis zu Oboe, Fagott und Saxophon. Sogar ein italienischer Tenor wird am Samstag zu hören sein. „Die Sinfonie Nr. 9 von Antonin Dvorak ist eine alte Lektüre von uns und es war ein einhelliger Wunsch, sie noch einmal gemeinsam zu spielen“, erzählt Tilly.

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