Das Leben als Party, Konflikte inbegriffen

Das Leben als Party, Konflikte inbegriffen

Das Tanztheater Pina Bausch nimmt Masurca Fago von 1998 wieder auf. Es ist so frisch wie eh und je.

Wuppertal. Bei Pina Bauschs 1998 entstandenem Tanzstück „Masurca Fogo“ gibt es zwischendurch immer etwas zu lachen. Oder Szenenapplaus keimt auf: Ein fettes Walross robbt gegen Ende der beiden Teile vor dem aus einem weißen Raum quellenden Lavahügel über die Bühne. Oder der Witz über die drei Stufen des Orgasmus: den positiven („oh yes, o yes“), den negativen („oh no, oh no“), den metaphysischen („oh God, oh God“).

Diese und andere humorvolle Einlagen bilden den Gegenpol zu Anspannungen, Nachsinnen über Träume und Verwandte. Konflikte werden ausgetragen, indem unter anderem Partner sich gegenseitig mit Wasser bewerfen.

Insgesamt präsentiert das Tanztheater ein lebenswertes schönes facettenreiches Dasein. Verspielt wird in einer mit Wasser gefüllten Plastikplane geplanscht. Die Damen der Schöpfung frönen im Badedress den Sonnenstrahlen. Die Mama stopft ihren Sohn aus einem großen Topf voll. Das Leben ist eine große Party, wenn die Tänzer eine Bretterbude aufbauen und darin ausgelassen feiern.

Per Videoprojektionen taucht man zudem ein in tropische Gefilde: Musiker werden gezeigt, ein Tanzturnier findet statt, man fährt in einem Reisebus mit. Zu all dem gibt es abwechslungsreiche Musik, die das Geschehen kongenial begleitet und unterstützt: Fados, Tango, Walzer, perkussive Klänge, Jazz. Perfekt abgemischt und sensibel ausgesteuert kommt sie über die Lautsprecher.

Als dann zu dem Song „All I need is the air that I breathe“ im Zeitraffer erblühende Blütenprojektionen die zart umschlungen liegenden Paare bedecken, kehrt Ruhe ein in die lebensbejahende Geschichte.

Die Tänzer, von denen einige bei der Uraufführung mitwirkten, präsentieren sich als in allen Belangen harmonische Einheit. Auch die vielen ausdrucksstarken solistischen Szenen begeistern dank ihrer großen Intimität — mal zärtlich, dann wieder glücklich extrovertiert.

Diese Wiederaufnahme im Wuppertaler Opernhaus kommt so frisch und intensiv wie eh und je daher und wurde dem entsprechend mit lang anhaltenden stehenden Ovationen gefeiert.

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