"Das kalte Herz" berührt die Gäste im Opernhaus

"Das kalte Herz" berührt die Gäste im Opernhaus

Wuppertal. Wer ein Herz aus Stein hat, den rührt gar nichts mehr: nicht die Armut der Mitmenschen, nicht die Not der eigenen Mutter oder der Tod der Ehefrau. Der Kohlen-Munk-Peter aus dem Märchen "Das kalte Herz" hat sein warmes Herz gegen einen Stein eingetauscht, um kalt, reich und grausam zu werden.

Im Opernhaus hatte das Familienstück am Samstagabend nach Wilhelm Hauff Premiere.

Regisseur Philip Stemann vertraut auf die alte Sprache und lässt im realistischen Bühnenbild von C. R. Müller Märchenhaftes geschehen: Skurrile Waldgeister bevölkern den Schwarzwald, Blitz und Donner, unheimliche Gesänge und Geräusche begleiten den Auftritt vom teuflischen Holländer-Michel, den Andreas Petri zwischen Rübezahl und Musketier eindrucksvoll gibt. Der gute Geist, das Glasmännchen (Axel Röhrle), gibt dem Munk-Peter drei Wünsche frei und ist entsetzt, dass dieser sich "nur" Geld und Wohlstand statt Weisheit und Vernunft wünscht.

Lutz Wessel kennzeichnet den armen Köhler überzeugend zwischen Verdruss, Übermut, Kaltherzigkeit und Verzweiflung. Es kommt wie es kommen muss: Peter verliert und verspielt sein Geld mit dem dicken Ezechiel (Gregor Henze) und dem langen Schlurker (Hendrik Vogt) im Wirtshaus, seine Glashütte bringt er durch, weist die arme Mutter ab (Ingeborg Wolff) und erschlägt gar seine schöne Lisbeth (Juliane Pempelfort). Retter in der Not ist wieder der Herr Glasmann, der Schatzhauser, den die Regie mit prächtig funkelnden Kleidern, langer Glaspfeife und spitzen Elben-Öhrchen ausstattet: Er verrät dem Munk-Peter den Trick, wie er wieder an sein warmes, weiches Herz kommen kann.

Denn der Teufel Michel hat alle geraubten Herzen in tickende und blinkende Uhren eingeschlossen und als Pfand für den Geldsegen ein steinernes Herz eingesetzt. Obwohl das Märchen nicht an erhobenen pädagogischen Zeigefingern spart, fällt die "Lehre" in der Bühnenfassung mit den ruhigen Bildern plausibel aus: "Es ist doch besser zufrieden sein mit Wenigem, als Gold und Güter haben - und ein kaltes Herz." vp

Die 90-minütige Inszenierung wird am 4. und 11. Dezember - jeweils um 15 und 18 Uhr - im Opernhaus präsentiert. Karten: Telefon 5694444.

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