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Das etwas andere Weihnachtskonzert

Das etwas andere Weihnachtskonzert

Sänger und Sinfoniker setzten auf ein außergewöhnliches Werk — und begeisterten.

Elberfeld. Als Dorothea Brandt ihre Stimme erhebt, sind Furcht und Verzweiflung spürbar: „Du sinkst, ach armes Israel, tief herab vom Sitz der Freuden in des Jammers Grab“, singt die Sopranistin mit viel Gefühl und Ausdruck. Die Arie geht unter die Haut.

Nach ihrem Solo dürfte jedem Besucher der Stadthalle die missliche Lage bewusst sein, in der Judas Maccabaeus mit seinem Volk geraten ist: Ägypten rüstet zum Kampf. Aus der uralten Bibelgeschichte um Judas Maccabaeus hat der Komponist Georg Friedrich Händel im 18. Jahrhundert ein Oratorium erschaffen, das 1747 seine Uraufführung hatte und mehr als 250 Jahre später vom Konzertchor der Volksbühne Wuppertal am ersten Weihnachtstag in der Stadthalle aufgeführt wurde und die Zuhörer zu stehenden Ovationen bewegte.

Vielen allerdings schien das Thema anscheinend nicht weihnachtlich genug zu sein. Das war beabsichtigt: „Wir wollen nicht in einem allzu regelmäßig wiederkehrenden Repertoire erstarren“, erklärte Orchesterdirektor Heiner Louis nach dem Konzert. Obwohl es nicht ausverkauft war, zeigte er sich zufrieden. Wer nicht dabei war, verpasste vor allem das wunderbar harmonische Zusammenspiel von Sinfonieorchester, Chor und Dorothea Brandt.

„Wohlan! Aufs Neue rüstet euch mit Mut!“, ruft Judas Maccabaeus aus, als nach dem Sieg gegen Samaria und Syrien, der Kampf gegen das ägyptische Nachbarland bevorsteht. Stimme verleiht ihm Hans Jörg Mammel, der kurzfristig für den erkrankten Tenor Christian Sturm eingesprungen ist. Als der Heerführer zum Krieg aufruft, verändert sich auch das Oratorium: Mit Pauken und Trompeten wird es heroischer als zuvor, und als der Chor einstimmt, herrscht eine erhebende Festlichkeit. Im dritten Akt wird es schließlich doch weihnachtlich.

Händels Vorlage für das bekannte Adventslied „Tochter Zion“ hallt durch den Saal. Die letzten Worte des Stücks hat Miljan Milovic mit kräftiger Bassstimme erklingen lassen, bevor der Chor „Halleluja, Amen“ jubiliert. Komplettiert wird das Quintett der Solisten durch Carola Güther (Mezzosopran) und Miriam Ritter (Alt). Leidenschaftlich dirigiert Robert Hollingworth das von Thorsten Pech mit dem Chor einstudierte Werk. „Schön, dass es diesmal nicht der ,Messias’ war“, stellt Konzertbesucher Reinhard Lahm am Ende fest.

Zum begeisterten Publikum gehört auch Cornelia Jordy. Händels „Judas Maccabaeus“ am ersten Weihnachtstag war auch für sie genau das Richtige: „So ein wunderbares Oratorium zu besuchen, krönt einen solchen Tag.“