Das Ensemble Partita Radicale bringt Polstermöbel zum Klingen

Das Ensemble Partita Radicale bringt Polstermöbel zum Klingen

Das Quintett feierte mit verrücktem Format Premiere.

Wuppertal. Die Mischung an Instrumenten ist erstaunlich: Neben Akkordeon, Geige und Alt-Flöte wurden beim Konzert des Ensembles für Neue und Improvisierte Musik „Partita Radicale“ auch Sofas, Gläsern oder den eigenen Körpern Töne entlockt. Den Anfang nahm die Aufführung mit dem Titel „Am schönsten ist es doch zu Hause — Neue Musik aus dem Polster“ und dem Geräusch vom geknabberten Kartoffelchips. Die Musiker Gunda Gottschalk, Ortud Kegel, Karola Pasquay, Ute Völker und Thomas Beimel begrüßten ihre Gäste unter Malerfolie verborgen.

Das erste Stück bestand aus dahin gehauchten Anlauten und einem Schrei, der die Zuhörer zusammenfahren ließ. Aus Spieldosen klangen dann Melodien wie unter anderem jene von „Rudolf the red-nosed reindeer“, die allesamt gleichzeitig abgespielt wurden. Alles vermochten die vier Damen und ein Herr als Instrument zu benutzen — Nagelbürste und der Ärmel eines karierten Sakkos ließen den Arm zum Streichinstrument werden. Der Löffel auf dem Sofa klang nach Basedrum und die Gläser mit unterschiedlichen Wasserständen wurden flugs zum Klavier umfunktioniert.

Melodien waren dabei schwer auszumachen, auch wenn Klassiker und neue Werke darin versteckt sein sollten. Lediglich die gejaulte Nationalhymne war zu erkennen.

Doch wurde nicht nur ein Konzert dargeboten — beinah wie ein Theaterstück mit Tanzeinlagen mutete die Aufführung an. Dabei spielten die Musiker als wären sie wahnsinnig, zeigten nervöse Ticks und gaben wirres Gebrabbel von sich. Mit Putztüchern und Handstaubsaugern tanzten und robbten sie über den Boden oder integrierten Flaschenbürsten in ihre Choreographie. Ein betont dilettantischer Ausdruckstanz war der Höhepunkt dieser wahrlich verrückten und facettenreichen Aufführung.

Doch wie auch immer man den Abend bewerten mag, der Boden des Trausaales im Elberfelder Verwaltungsgebäude war nie sauberer. An selber Stelle (Neumarkt 10) finden am 25. und 27. November, jeweils um 20 Uhr, weitere Aufführungen statt. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.