Daniel Siekhaus über seine neue Arbeit als Geschäftsführer von Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester.

Geschäftsführer : Hohe Qualität noch besser präsentieren

Interview Daniel Siekhaus ist seit Oktober Geschäftsführer von Bühnen und Sinfonieorchester. Im Gespräch erzählt er, warum er nach Wuppertal kam und warum ihm die Stadt recht vertraut ist.

Sie teilen sich im Moment mit Ihrem Vorgänger ein Büro. Wie haben Sie sich arrangiert?

Daniel Siekhaus: Ich habe am 1. Oktober begonnen, Herr Schaarwächter ist noch bis 31. Dezember als Geschäftsführer im Amt. Wir haben eine dreimonatige Einarbeitungs- und Übergangsphase, die mir sehr wichtig ist. Also habe ich mir einen kleinen Schreibtisch in das Geschäftsführungsbüro hineingestellt, so dass ich alles mitbekomme, an den Gesprächen teilnehme und nach und nach die Aufgaben übernehmen kann. Ab 1. Januar werde ich dann eigenständig, in enger Kooperation mit meiner Stellvertreterin und dem Leitungsteam, die Aufgaben der Geschäftsführung übernehmen.

Sie sind 32 Jahre jung. Spielt das eine Rolle?

Siekhaus: In der Arbeit jetzt spielt das keine Rolle. Ich werde nicht anders behandelt. Aber ich versuche natürlich als Neuer und als junger Mensch soviel wie möglich von meinen Kolleginnen und Kollegen zu lernen. Ich bringe zwar Wissen und Erfahrung mit, ich kenne aber die speziellen Wuppertaler Bedingungen noch nicht.

Haben Sie schon Erkenntnisse speziell über Wuppertal gewonnen?

Siekhaus: Die drei künstlerischen Sparten der Wuppertaler Bühnen sind sehr eigenständig, wohl weil sie auch eigene Spielstätten haben und eine jeweils eigene Geschichte. Eine Besonderheit, die sich auch in der Organisationsleitung mit einem Geschäftsführer, zwei Intendanten und einer Generalmusikdirektorin widerspiegelt, so dass viele Fragen gemeinsam diskutiert und beschlossen werden müssen. Diese Struktur finde ich gut.

Haben Sie schon konkrete Pläne?

Siekhaus: Ich wollte hierher kommen, weil die künstlerische Qualität in Wuppertal sehr hoch ist, in Sinfonieorchester, Oper und Schauspiel. Und ich glaube, dass es noch Potential gibt, diese Qualität und künstlerische Vielfalt stärker nach außen zu präsentieren. Das ist unsere Herausforderung, zu zeigen, was es alles gibt. Daran hängen vor allem die Bereiche Marketing, Öffentlichkeit, aber auch Education und Theaterpädagogik, die ich sehr unterstützen möchte. Es ist wichtig, in die Stadt hineinzugehen mit verschiedenen Vorstellungsformaten wie Uptown Classics, Schnappschuss oder Sound of the City, denn so können wir mit Menschen aller Schichten in Kontakt treten. Gerade im Bereich Education und Theaterpädagogik können wir auch einen wichtigen sozialen Beitrag leisten.

Gibt es konkrete Zielvorgaben, etwa was die Besucherzahlen angeht?

Siekhaus: Nein, aber die Geschäftsführung hat ein großes Interesse, dass die Auslastungszahlen möglichst hoch sind. Das gilt aber auch für alle künstlerischen Leitungen, Künstlerinnen und Künstler.

Haben Sie schon Defizite entdeckt?

Siekhaus: Nein, ich bin erst in der vierten Woche hier, führe Gespräche mit den Mitarbeitern, um wichtige Bereiche und eventuelle interne Defizite herauszufiltern, die wir nach und nach verbessern können, so dass wir insgesamt nach außen stärker dastehen. Dazu gehört auch die enge Kommunikation mit unseren Kulturpartnern wie der Stadthalle und dem Tanztheater Pina Bausch.

Sie interessieren sich sehr für Ballett?

Siekhaus: Ich habe die letzten vier Jahre in der Sparte Tanz gearbeitet, war Assistent der Direktoren des Royal Ballet am Royal Opera House in London. Ich habe dort viel gelernt und mich um viel gekümmert - von der Administration bis zum künstlerischen Projekt. Danach ging ich nach Thüringen und war Manager und Dramaturg für das Thüringer Staatsballett. Wiederum eine sehr lehrreiche Zeit, in der ich mehr Verantwortung übernehmen konnte.

Schon als Kind . . .

Siekhaus: . . . hatte ich engen Kontakt zum Theater, durch meine Schule in Hagen, wo ich aufgewachsen bin. Außerdem nahm ich lange Zeit Tanzunterricht. Damals entstand eine große Liebe zum Theater und zu den darstellenden Künsten insgesamt. Im Studium habe ich mich schnell auf das Management für den Bereich Kultur und kreative Industrien spezialisiert. Das passende Masterstudium dazu fand ich nach langer Suche an der Universität St. Andrews in Schottland. Es war ein praktisches Studium, das sich mit den wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für kulturelle Arbeit auseinandersetzte. In Cambridge habe ich dazu promoviert. Während der Promotion habe ich ein Jahr lang ein Projekt zum Thema Managementstrategien von Opernhäusern verfolgt und konnte mit vier bedeutsamen internationalen Häusern zusammenarbeiten.

Warum stehen Sie nicht auf der Bühne?

Siekhaus: Meine Talente liegen eher in der Organisation. Ich fühle mich in der Rolle hinter der Bühne sehr wohl, möchte derjenige sein, der gute künstlerische Arbeit ermöglicht. Ich freue mich über jeden Erfolg auf der Bühne.

Haben Sie sich schon in Wuppertal eingelebt?

Siekhaus: Soweit klappt es gut. Da ich aus Hagen komme, war mir Wuppertal natürlich schon bekannt. Ich denke, hier kann ich mich wohlfühlen. Die Stadt bietet ein tolles kulturelles Angebot, nicht nur der Bühnen, auf das Wuppertal stolz sein kann.

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