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Opernstudio: Daegyun Jeong: Das Beste geben, was ich kann

Opernstudio : Daegyun Jeong: Das Beste geben, was ich kann

Der zweite Liederabend im Kronleuchterfoyer der Oper präsentiert erneut Künstler des Opernstudios NRW.

Er ist einer von zehn Auserwählten, war einer von 650, die sich für eine zweijährige Ausbildung im Opernstudio NRW beworben hatten. Mit der Spielzeit 2019/20 ist die neue Kooperation von vier Opern und Theatern an den Start gegangen, „um Berufseinsteigern im geschützten Rahmen die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln“, erklärt der Dramaturg der Wuppertaler Oper, David Greiner. Jungsänger Daegyun Jeong hat es geschafft. Der lyrische Bariton ist im Rahmen des Opernstudios an der Wuppertaler Oper engagiert, wo er als Bote in „Oedipus Rex“ auf der Bühne stand und Zweitbesetzung des Schaunard in „La Bohème“ ist. An diesem Sonntag stellt er sich mit zwei weiteren Nachwuchskünstlern im Kronleuchterfoyer beim Liederabend vor.

Die Mutter brachte den Sohn
zum Gesangsunterricht

In Südkorea tun die Kinder, was ihre Eltern wollen, sagt der 25-Jährige, um zu erklären, wie er zum Singen kam. Als Kind habe er gerne seine Mutter nachgemacht, die viel gesungen und sein Talent erkannt habe. Also sorgte sie dafür, dass der Sechsjährige Unterricht bekam. Das gefiel ihm zwar nicht, weil die Lehrer sehr streng waren, aber er gehorchte. Der Stimmbruch mit 13/14 Jahren machte aus dem Knabensopran, der gerne Pop-Opern sang, einen Bariton, der sich dem klassischen Liedgut widmete. Und der mit zunehmender Fertigkeit Spaß am Gesang empfand. „Ich will sehen, dass es besser wird“, sagt er. Von 2013 bis 2017 studierte er am Yong Siew Toh Conservatory of Music in Singapur bei Prof. Alan Lee Bennett, trat parallel dazu auf.

Nach Deutschland kam Jeong durch seine Freundin, die Cello studiert und dem guten Ruf der Musikhochschule Köln folgte. 2017 nahm er sein Masterstudium mit den Schwerpunkten Oper und Konzert in der Klasse von Prof. Mario Hoff und Prof. Johannes Martin Kränzle auf. Außerdem debütierte er am Theater Aachen als Förster („Das schlaue Füchslein“) und am Münchener Cuvilliéstheater als Guglielmo („Così fan tutte“). Und weil Jeong einerseits weiterkommen will, andererseits sich realistische Ziele setzt, die große Karriere über viele kleine Schritte anstrebt, bewarb er sich fürs Opernstudio.

Berthold Schneider ist Intendant der Wuppertaler Oper und Initiator des Opernstudios NRW, das acht Sängern und zwei Pianisten einen außergewöhnlichen Karrierestart vermitteln soll. Dafür haben sich das Theater Dortmund, das Aalto-Musiktheater Essen, das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen und seine Oper zusammengetan, das Land fördert das Studio pro Jahr mit 425 000 Euro. Greiner: „Die Berufseinsteiger sammeln praktische Erfahrungen, singen kleine und mittlere Partien in existierenden Ensembles, lernen das breite Spektrum des Musiktheaters kennen.“ Etwa 80 Bewerber hatten vorsingen oder vorspielen dürfen, die zehn Erwählten treten in den vier Häusern in Inszenierungen und Konzerten auf, erhalten szenischen Unterricht und nehmen an Meisterkursen teil. Die Musikhochschule Köln und die Folkwang Universität Essen sind mit Dozenten und Räumen am Opernstudio beteiligt.

Beim Liederabend am Sonntag treten Daegyun Jeong, die Niederländerin Wendy Krikke und der Brite Timothy Edlin auf. Alle drei bringen heimatliches Liedgut mit, außerdem singt Jeong Schumann- und Schubert-Lieder. Sprachprobleme hat er beim Singen nicht: Die deutsche Sprache liege ihm sehr, da sie so poetisch sei und über das Erlernen der richtigen Aussprache den Ausdruck mitliefere. Hat er Lieblingsrollen? Den Malatesta im „Don Pasquale“ von Donizetti würde er jetzt gerne singen, später dann den Figaro in „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini.

Mittlerweile hat er sich gut im Wuppertaler Opernensemble eingelebt, das im Durchschnitt recht jung ist und, wie der Opernchor, Südkoreaner in seinen Reihen hat. Die anfängliche Scheu vor den „fantastischen Sängern“ ist gewichen. „Ich gebe das Beste, was ich kann, von Tag zu Tag“, sagt er über seine Ambitionen. Zeit für die Stadt findet der junge Mann allerdings nicht – entweder er arbeitet oder er pendelt zwischen Wuppertal und Aachen, wo er wohnt, um näher bei seiner Freundin zu sein, die mittlerweile von Köln nach Lüttich gewechselt ist.