Buntes Heimspiel bei der Kunstreise

Buntes Heimspiel bei der Kunstreise

Die internationale Ausstellungsreihe „100 Tage Kunstreise“ lenkt den Blick auf den Wuppertaler Bildhauer Bodo Berheide.

Wuppertal. „Tageszeitungspapier ist ja eigentlich nur für einen Tag aktuell.“ Doch um das ganz besondere Papier auch am übernächsten Tag noch weiter zu verwerten, hat Bodo Berheide genau dieses Material zum Ausgangspunkt seiner Kunst gemacht.

Und da der Wuppertaler Künstler offensichtlich eine Lieblingslektüre hat, fand der die ideale Basis: „Die Werke bestehen überwiegend aus der WZ“, erklärt der Bildhauer. Für einige Tage in Wasser eingelegt, hat er die betonartige Masse dann in Rahmen gefüllt, eingefärbt und mittels Stempeln eine Aussage eingeprägt. So sind die meist intensiv farbigen Werke derzeit im Kunstkomplex ausgestellt.

Im Zuge der Reihe „100 Tage Kunstreise“, bei der Kunst aus zehn Ländern der Erde jeweils zehn Tage lang ausgestellt wird, ist nun Deutschland an der Reihe — vertreten von Berheide selbst, dessen Skulptur Figura Magica Motivation für die Reihe war.

18 Jahre lang war die Skulptur in der ganzen Welt unterwegs (die WZ berichtete), bis sie 2009 auf dem Vorplatz des Schauspielhauses einen festen Platz fand. „Ich konnte die Reise der Skulptur von Anfang an begleiten“, sagt Andy Benger, der Fotografien zu der Ausstellung beiträgt — unter anderem „Nahaufnahmen der Skulptur, als sie in Wuppertal ankam“.

Herausgearbeitet hat Benger die Einprägungen der Aufenthaltsorte der Figura Magica im Kontrast zu Linien und Kanten der Skulptur selbst. Daneben zeigt er faszinierende Detailaufnahmen alter, knorriger Olivenbäume in Griechenland. Aufgenommen in Schwarz-Weiß und durch viel Licht und Schatten entstehen Linien und starke Kontraste in den alten Stämmen. Auch einen Kontrast sollen die Fotografien selbst setzen — zu Berheides symbolkräftiger, farbintensiver Kunst.

Als Schüler von Joseph Beuys hat Berheide auch Aussagen seines Lehrers mit in die Ausstellung eingebracht, wenn er beispielsweise dessen Worte „Jeder Mensch ein Künstler“ in vier farbigen Papierkacheln prägt. Und auch Beuys’ soziale Skulptur hat Berheide inspiriert: „Wirtschaftlichkeit + Solidarität = Mehrwert“ ist ein klarer politischer Protest. Zwischen diesen beiden Aussagen sieht der Betrachter die groben Konturen zweier Menschen. „Das ist ein Ausschnitt aus einem Foto von Beuys und mir“, sagt Berheide. Und so treffen im Kunstkomplex Schüler und Lehrer wieder aufeinander — in Kunst, Bild und Wort.