Bühnen suchen Asyl in der Börse

Bühnen suchen Asyl in der Börse

Während im Schauspielhaus die Umzugskartons gepackt werden, dient die Börse als Zwischenstation - ein logistischer Kraftakt. Und am Freitag startet ein fünfwöchiges Theaterfestival.

Wuppertal. Die "heimliche Übernahme", die Chefdramaturg Wilfried Harlandt augenzwinkernd ankündigt, geht ab Freitag über die Bühne - und bedarf einer ernst gemeinten Erklärung: Die Wuppertaler Bühnen übernehmen zwar nicht gleich die ganze Börse, machen aber trotzdem reichlich Theater. Sechs Premieren innerhalb von zwei Wochen, elf Darsteller in Stücken aus drei Jahrtausenden und drei Spielorte unter einem Dach: Ob diese Rechnung aufgeht, zeigt sich ab morgen an der Wolkenburg. Der Titel ist jedenfalls Programm: "Das Schauspiel geht an die Börse". Und die Theaterleitung sagt es selbst: Die Premieren- und Stück-Ballung, die in anderen Großstädten üblich ist, gilt in Wuppertal als "kleine Sensation".

Sanierungsmaßnahmen machen sie nötig: Während die Umzugskisten vom Schauspielhaus zur Oper gerollt werden und das Internationale Tanzfestival im Schauspielhaus Furore macht, findet das städtische Ensemble Asyl in der Börse - und macht aus der Not eine Tugend.

Im Gegensatz zum Opern-Ensemble, das bereits probt, um das sanierte Barmer Opernhaus am 18. Januar wieder in Beschlag zu nehmen, ziehen die Theater-Kollegen aus dem Schauspielhaus, das im Gegenzug ab Ende des Jahres renoviert werden soll, erst einmal in die Börse. Bis zum 30. November schlagen sie dort ihre Zelte und Kulissen auf.

Geboten wird "ein breites Programm", wie Generalintendant Gerd Leo Kuck betont - vom griechischen Ödipus-Mythos bis zur modernen Grönholm-Methode. Für Börsen-Chefin Petra Lückerath ist das Gastspiel ein "logistischer Kraftakt", weil an drei Orten geprobt und gespielt wird: an der Bar, im Blauen und Roten Salon.

Rund sieben Mal soll jede Produktion präsentiert werden. "Das macht insgesamt 2500 Zuschauerplätze in fünf Wochen", rechnet Kuck vor. Wobei der Generalintendant alles andere als ein Geheimnis daraus macht, dass er mit dem Theaterfest nicht einfach nur eine Zeitspanne überbrücken, sondern ganz grundsätzlich zeigen will, "wie es sein könnte, wenn wir eine feste kleine Spielstätte hätten". "Das Festival gibt hoffentlich ein Signal an die Stadt", sagt Kuck. "Man soll die Hoffnung in Wuppertal nicht aufgeben."

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