Kunst ist überall: Brunnen als dynamisches Panorama

Kunst ist überall : Brunnen als dynamisches Panorama

Auf dem Rathausvorplatz bietet „Das Tal der Wupper“ einen detailreichen Blick auf 1000 Jahre lokale Geschichte.

Wuppertal. Eher flach und ziemlich am Rand steht der Brunnen auf dem Johannes-Rau-Platz in Barmen, daran geht man leicht achtlos vorbei. Doch wer einmal vor dem Bronzewerk „Das Tal der Wupper“ stehen bleibt, guckt sich ansatzlos fest an dem detailreichen Landschafts- und Geschichtspanorama.

Ausgerechnet ein Düsseldorfer, der Bildhauer Bert Gerresheim, breitet die Wuppertaler Stadtgeschichte in einem dynamischen Bilderbogen aus. Geräte und Werkzeuge aus der Textilindustrie wie Bleicherschaufeln und Spinndüsen bilden das Gerüst, aus ihnen sprüht Wasser über 26 Reliefdarstellungen mit mehr als 700 Einzelfiguren.

Sie lassen die Entwicklung von der ersten Besiedlung an der Wupper im zehnten oder elften Jahrhundert bis zur heutigen Großstadt buchstäblich plastisch hervortreten. Die Figuren und Bauten scheinen aus bergischem Tuch emporzusteigen, das über mehrere Ebenen bis ins tief eingeschnittene Flusstal seine Falten wirft. Gerresheim hat seine Geschichts-Hausaufgaben gründlich gemacht. Aus dem Geriesel des Wassers treten zahlreiche historische Figuren hervor, die das Leben im Tal der Wupper (mit-) geprägt haben: Bischof Graf Engelbert, der Schulze von Elberfeld, Gräfin Maria von Waldeck, Elias Eller, Friedrich Engels, Carl Fuhlrott, Kaiser Wilhelm II. und Friedrich Bayer.

Die Schwebebahn gehört auch dort untrennbar zur Stadtgeschichte. Dargestellt werden aber auch historische Meilensteine wie das Privileg der Garnnahrung, die Pest, die 1835 eröffnete St. Laurentius-Kirche, die Arbeiterbewegung und der zweite Weltkrieg.

Der Brunnen ist ein Geschenk der Firma Vorwerk anlässlich des 50. Stadt-Geburtstages im Jahr 1979. Weil das Unternehmen mit der Stadt dann einen Künstler-Wettbewerb veranstaltete, der Gewinner Gerresheim das eingereichte Modell in Originalgröße umsetzen musste und es danach zum Gießen in einen Düsseldorfer Betrieb kam, dauerte es zwei weitere Jahre bis zur Aufstellung. Vor ziemlich genau 34 Jahren, am 21. Juli 1981, wurde der Brunnen auf dem Rathausvorplatz mit einem Volksfest eingeweiht.

Im Gegensatz zu manch anderem Kunstwerk stieß er auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. In einem Leserbrief in der WZ heißt es Ende Juli 1981: „Endlich mal wieder Kunst, die den Normalverbraucher anspricht. Diese Kosten für begreifbare Kunst sind gut angelegt.“

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