Wuppertaler Sinfoniker: Britische Weihnachtsmusik überzeugte

Wuppertaler Sinfoniker: Britische Weihnachtsmusik überzeugte

Sinfonieorchester spielte Werke von Ralph Vaughan Williams. Weihnachtskonzert in der Stadthalle sorgte für Jubel im Publikum.

Wuppertal. Es sind vielleicht Pi mal Daumen eine Hand voll Komponisten, die außerhalb von Großbritannien in aller Munde sind. Henry Purcell aus der Zeit des Barock oder der 1976 gestorbene Benjamin Britten sind Personen, die wohl alle Klassikfans kennen. Ralph Vaughan Williams (1872-1958) gehört auch dazu. Nur stehen seine Werke selten auf Konzertprogrammen.

Nach Jahren, in denen das Sinfonieorchester Wuppertal überwiegend die „Egerländer Welthits der Klassik“ gespielt hat, scheint sich allmählich die Programmatik hin zu einer nicht ganz so alltäglichen Musik geändert zu haben. Es wird somit seinem Auftrag wieder mehr gerecht, einen breitgefächerten Bereich bis hin zur zeitgenössichen Musik anzubieten.

Ein Anzeichen dafür war das Weihnachtskonzert am ersten Feiertag im sehr gut besuchten Großen Saal der Historischen Stadthalle. Man machte sich bewusst, dass es auch in England Musik zum Christfest gibt, darunter auch solche von besagtem Vaughan Williams. Ob sein „Hodie“ aus den Entstehungsjahren 1953/54 in Wuppertal schon einmal aufgeführt wurde? Keine Ahnung. Vielleicht ruht die Antwort darauf irgendwo im Stadtarchiv, oder Musikhistoriker müssten danach einmal auf die Suche gehen.

Einem großen Teil des Publikums war das knapp einstündige Werk fremd, entgegen dem Sprichwort „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ zeigte es sich aber sehr neugierig auf die Aufführung. Ein gemäßigt modernes Stück mit viel spätromantischem Kolorit war zu erleben, das die Zuhörer in seinen Bann zog. Unter der versierten und umsichtigen Leitung des englischen Dirigenten Hilary Griffiths - bis vor der Intendantenära Toshiyuki Kamiokas musikalischer Oberleiter der Wuppertaler Bühnen - gelang dem städtischen Orchester eine nuancierte wie packende Gestaltung der mannigfaltigen Klangfarben des Stücks.

Auch der Chor der Konzertgesellschaft (Einstudierung: Georg Leisse) und der Knabenchor der Wuppertaler Kurrende (Einstudierung: Stephan Hensen) zeigten sich bestens disponiert. Ihre glasklaren, harmonischen Gesänge sprachen an. Außerdem gestalteten Dorothea Brandt (Sopran), Dominik Wortig (Tenor) und Robert Bork (Bariton) ihre Partien sehr ausdrucksstark. So verwunderte es nicht, dass der langanhaltende Beifall des Publikums mit Bravo-Rufen gespickt war.

Doch nicht genug mit Musik von Vaughan Williams: Seine „Fantasia on a Theme by Thomas Tallis“ für doppeltes Streichorchester“ (1910/19) und „Fantasia on Christmas Carols“ (1912) für Bariton, Chor und Orchester erklangen genauso gehaltvoll.

Dabei wurde zwischendurch im Auditorium getuschelt. „Schön, dass Michael Kempa wieder gesund ist“, so eine Bemerkung. Gemeint ist der Solocellist, der mit leidenschaftlichen solistischen Einlagen beeindruckte. Dem standen bei der Tallis-Fantasie die anderen Solisten an den ersten Streicherpulten in nichts nach.

Und bei den „Weihnachtsliedern“ harmonierten Bork, die Choristen der Konzertgesellschaft und die städtischen Sinfoniker vorzüglich miteinander. Dann gab es noch das kurze Lied „All Bells in Paradise“ für Chor und Orchester des zeitgenössischen englischen Chorleiters und Komponisten John Rutter.

Man konnte hier in traumhaft schönen beseelten Klängen schwelgen. Eins wurde beim umjubelten städtischen Weihnachtskonzert deutlich: Die Wuppertaler Musikfreunde wollen nicht immer nur Highlights der Klassik hören. Die für viele Gäste fremde englische Weihnachtsmusik kam jedenfalls unglaublich gut an. Manche trachten sogar danach, sich einen Tonträger mit „Hodie“ darauf zu besorgen.