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BKG zeigt „Die dunkle Seite des Spiegels“

BKG zeigt „Die dunkle Seite des Spiegels“

Jochen Roedszus provoziert mit seinen Frauenbildern zum Thema Doppelmoral.

Wuppertal. Entrüstet über die gezeigten Werke der Kunstausstellung, verließ eine Besucherin am Sonntag die Vernissage bei der Bergischen Kunstgenossenschaft. Andere Gäste standen noch lange diskutierend vor den Bildern. Jochen Roedszus will mit seinen Fotografien an den Respekt vor Frauen erinnern. Benennt die Doppelmoral der Prostitution seit dem Sündenfall.

Fast lebensgroß erwarten den Betrachter drei Figuren in schwarz-weißer Rasterung. Erst aus der Entfernung erkennt der Betrachter den vollständigen Körper. Neben den Bildern hängt ein kleines grünes Feigenblatt mit einer Stecknadel, das man in die peinlichen Stellen einstechen kann. Das täte dem Abbild der Frau die Gewalt an, die Prostituierte so oft erleben.

„Schon Narziss betrachtete sich im See, um im Spiegelbild seine Schönheit zu bewundern. Nicht nur das Angenehme gibt der Spiegel wider. Auch die dunkle Seite unseres Wesens reflektiert er“, sagte Jutta Höfel, vom Vorstand der BKG in ihrer Einführung. Roedszus verbindet in seinen Arbeiten die Unmittelbarkeit der Fotografie mit verschiedenen künstlerischen Genres. Zu entdecken sind auf den Arbeiten etwa Splitter von Gläsern, die Flocken verbrannten Papiers, Flecken farbiger Flüssigkeiten.

Antike Motive, bei denen die Körper aus schmuddligen Hintergründen vor moosigem Boden und bröckeligem Putz hervordringen. Der Ophelia zum Beispiel, die mit Rosen bestreut lächelt, oder Salome, die ihre Sinnlichkeit in roten Stoff hüllt, gibt der Künstler die Ästhetik des Zerfalls. Spätestens beim Blick auf die Prostituierten in ihren „Arbeitszimmern“ wird die albtraumhafte Szenerie deutlich. „Was ist das Intime? Das Empfindsame? Wird der Körper zur Verfügung gestellt, die Seele geschützt?“, fragte Jutta Höfel.

Besucherin Rosemarie Kau aus Wuppertal ist ergriffen: „500 000 junge Mädchen touren jährlich als Zwangsprostituierte ohne Papiere durch ganz Europa“, sagte sie. Die Wuppertalerin Ortha Bickel meint „Wir Frauen in Deutschland sind in einer superprivilegierten Situation, können auf Missstände aufmerksam machen.“

“ Die Ausstellung „Die dunkle Seite des Spiegels“ ist im BKG-Studio im Kolkmannhaus, Hofaue 55, noch bis zum 10. November zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 14 Uhr

www.bkg.wtal.de