Björn Krüger: „Wir machen Livekultur erlebbar“

Björn Krüger: „Wir machen Livekultur erlebbar“

Beim Musikförderprojekt „Grenzland“ ist Björn Krüger fürs Coaching zuständig.

Herr Krüger, beschreiben Sie bitte kurz das Projekt „Grenzland“.

Björn Krüger: Grenzland besteht aus drei Komponenten: Netzwerkarbeit bei Utopiastadt an der Mirke, Open-Air-Veranstaltungen und Newcomer-Coaching. Das betreue ich.

Was passiert dabei?

Krüger: Wir suchen sechs Nachwuchs-Bands aller Stile aus Schulen im Bergischen: Reggae-, Rock-, HipHop-, Elektro-Bands, Einzelkünstler, Singer, Songwriter. Wir wollen möglichst die gesamte Bandbreite abbilden.

Weshalb suchen Sie explizit Schulbands?

Krüger: Nachwuchsförderung ist wichtig. Aber auch die Orte, wo sie entsteht, sind wichtig. Wir kommen dahin, wo die Leute sind. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Jugendliche aus Vohwinkel abends nach Barmen ins Haus der Jugend zu einem Konzert kommt. Wir wollen Schulen wieder als Kulturorte sichtbar machen. Und sie sollten den Musikern als Mentoren den Rücken stärken.

Wie kann eine Schule das leisten?

Krüger: Sie kann als Veranstaltungsort dienen — aber wir wollen sie auch in die Pflicht nehmen, dazu beizutragen, dass „ihre“ Band gehört wird und dass sich die Menschen kulturell ausleben können.

Haben sich schon Bands beworben?

Krüger: Ja, aus der ganzen bergischen Region, zum Beispiel Remscheid, Velbert, Hückeswagen — sogar Düsseldorf. Das ist das Schöne: Bei Grenzland gibt es keine Grenzen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Schulbands aus?

Krüger: Für uns ist vieles förderungswürdig. Wir freuen uns über weibliche Bewerber, Bands sind bisher sehr männerlastig. Aber natürlich muss mehr stimmen. Wir führen Gespräche, wollen das Funkeln in den Augen sehen und merken: Die wollen das wirklich, nicht nur einfach einen Gig mitnehmen. Pro Stadt wählen wir eine Band aus.

Das klingt hart.

Krüger: Ja, aber es ist unumgänglich. Außerdem landet keine Bewerbung im Papierkorb. Wir bauen einen Pool auf, auf den wir zum Beispiel bei der Planung von Festivals zurückgreifen können. Die sechs Newcomer werden von uns professionell gecoacht.

Wie?

Krüger: Ab September besuchen wir die Bands da, wo sie proben. Bis Ende des Jahres arbeiten wir mit ihnen, jede Band nimmt eine CD auf und geht als Highlight auf Tournee: je ein Konzert an der eigenen und den fünf anderen Newcomer-Schulen. Das wird eine School-Battle auf Bandebene.

Ein Wettstreit?

Krüger: Ja: Am Ende der Tourneen küren wir den besten Newcomer und die beste Schule 2014 mit einem Preisgeld von je 500 Euro für die Anschaffung von Instrumenten. Das Engagement entscheidet. Weil sicher sehr viele Anhänger an die Schulen kommen, um ihre Band zu unterstützen, machen wir auch Livekultur erlebbar.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Krüger: Wir sind noch am Anfang, aber möchten erreichen, dass sich Schulen regional vernetzen und Schulbands die Möglichkeit geben, dort aufzutreten. Es wäre ein Traum, wenn wir das Projekt über viele Jahre hinweg machen könnten. Wir wollen Partner gewinnen, größer werden, uns vielleicht auf andere kulturelle Bereiche ausweiten. Kurz: Es soll weitergehen.

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