Bildhauer Harald Schmahl: Erinnerungen an den ewigen Seelensucher

Bildhauer Harald Schmahl: Erinnerungen an den ewigen Seelensucher

Der Bildhauer, am 30. Juni 1912 in Elberfeld geboren, hat Spuren hinterlassen. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.

Wuppertal. Berühmte Männer vertrauten auf seine Künste: Wenn Bildhauer Harald Schmahl (1912-1964) die Seele eines Menschen in Stein, Marmor oder Bronze festhalten, gar leuchten lassen wollte, saßen ihm prominente Sportler, Wissenschaftler oder Industrielle gegenüber. Hugo Kaulen, von 1913 bis 1935 Inhaber des Weltrekords im Ballonfahren, was Dauer und Strecke betraf, gehört genauso dazu wie Herbert Runge, der sich ebenfalls erfolgreich — und sprichwörtlich — durchs Leben boxte. Runges größter Erfolg sollten die Olympischen Spiele in Berlin werden: 1936 kam der Elberfelder Boxer mit der Goldmedaille im Schwergewicht nach Hause.

Was Schmahl, Kaulen und Runge verband? Die bergische Heimat und der offensichtliche Wille, Bleibendes zu schaffen. Für Harald Schmahl war die Bildende Kunst der Schlüssel zum langfristigen Glück: Der Künstler, der heute vor 100 Jahren in Elberfeld geboren wurde, hat als Bildhauer bleibende Spuren hinterlassen und machte sich vor allem als Porträtist einen Namen.

Dabei schien ihm das Talent tatsächlich in die Wiege gelegt worden zu sein. Als Sohn eines Bildhauers hatte er ein ganz persönliches Vorbild: Die handwerkliche Ausbildung erhielt er in der Werkstatt von Vater Ewald. Sein nächster Lehrer hieß Erich Cleff: Schmahl studierte an der Kunstgewerbeschule Elberfeld, später auch an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Während Schmahl seinen Horizont durch Studienreisen nach Spanien, Frankreich und Italien erweiterte, blieb er zugleich seiner Heimat treu: Als Mitglied des „Ringes bildender Künstler Wuppertal“ war er in zahlreichen Ausstellungen im Bergischen Land vertreten, 1955 wurde er mit dem Dr.-Ludwig-Lindner-Preis belohnt. Der ausgezeichnete Bildhauer kreierte Brunnen, Gedenktafeln, Denkmäler und vor allem Porträtbüsten bekannter Wuppertaler Bürger. Weggefährten bezeichneten ihn als schmächtigen Mann mit großen, „brennenden“ Augen — als einen ewigen Schönheitssucher, der aufgeschlossen und tolerant war, aber auch sensibel reagieren konnte, wenn es um seine Arbeit ging.

Auch Gerd Eberling erinnert sich bis heute mit brennender Begeisterung an seinen einstigen Kursleiter: „Wohl kein anderer hat Jugendlichen und Kindern damals die Kunst — ob alt oder modern — so nahe gebracht wie Harald Schmahl.“ Die Seminare, die Eberling in den 1960er- Jahren im Haus der Jugend Barmen besuchte, seien ein echtes Erlebnis gewesen. Wenn die Teilnehmer ihren Werken während des Kurses nicht den letzten Schliff geben konnten, gab Schmahl ihnen die Gelegenheit, „sie in seinem Atelier ,Am Brucher Häuschen’ zu vollenden“. Letzteres war sicherlich noch spannender als der Kurs zuvor.

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