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Biennale: Weltmusik, Wind und Wüste

Biennale: Weltmusik, Wind und Wüste

Das Biennale-Konzert war eine (Zeit-)Reise.

Wuppertal. Ein weiteres Konzert der Bergischen Biennale in der Immanuelskirche holte am Samstagabend die Weltmusik mit ins Boot und versprach eine Reise durch 100Jahre Neue Musik. So entstand ein schillerndes Programm, bei dem man den roten Faden allerdings vermisst.

Der Wuppertaler Ulrich Klan kombiniert in seinem Stück "in der wüste" (2005) seine Viola mit Klängen der armenischen Duduk (Gevorg Dabaghyan) und der türkischen Baglama (Ismet Tezcan). Gestrichene Viola, weich klagende Schalmei und sanft grundierende oder vital gezupfte Laute gehen eine interessante Symbiose ein.

Auch Vache Sharafyan verbindet in "The Sun, the Wine and the Wind of Time"(1998) die Duduk mit Streicher- und Klavierklängen (Wuppertaler Klaviertrio) in suggestiver Weise.

Ausgewählte Choristen aus der Kantorei Barmen-Gemarke und dem Kettwiger Bach-Ensemble (Leitung: Wolfgang Kläsener) wurden in der klassischen französischen Moderne fündig: "Trois Chansons" von 1908, Claude Debussys einzigem unbegleiteten Chorwerk, glänzt durch seine delikate Harmonik. Im mittlerenLied imitiert der ausgewogen besetzte Chor in bester Intonation die fröhlichen Klänge eines Tamburins.

Die drei Lieder aus Francis Poulencs "Sept Chansons" (1936) berichten in ebenfalls wechselnden Harmonien in Anlehnung an Renaissance-Madrigale von Liebe und Leidenschaft. Die hohen Chor-Soprane bestechen mit klaren Stimmen. Paul Hindemiths dritte Orgelsonate (1940) thematisiert drei alte Volksweisen, die er mit Taktwechseln, weiteren Stimmen undspannungsreicher Dynamik umspielt.

Wolfgang Kläsener stellt auch "Communion" aus Olivier Messiaens Pfingstmesse (1950) mit transformierten Vogelgesängen und modalen Akkordfolgen vor. Amselgesänge und "Wassertropfen-Staccato" setzt er deutlich ab - die scheinbare Unendlichkeit des Raumes durch tiefste und höchste Orgel-Register erschließt sich durch sein Spiel nicht unbedingt. "Ear for Ear" (1983) von John Cage mit auf der Empore verteilt aufgestellten Chorabteilungen und einem Vorsänger entfaltet eine schwingende Raum-Akustik trotz leicht gefährdeter Intonation.

David Haladjian schrieb "Die Austreibung der Menschheit" 2005 nach einem Gedicht des Wuppertaler Dichters Armin T. Wegner, das an den Armenier-Genozid von 1915/16 erinnert. Die Chor-Bassisten übernehmen die düstre Text-Rezitation, worüber sich Duduk-Klagen und Sopran-Bordune legen. Die Mittelstimmen kontrastieren bis zum Höhepunkt "Da schrie mein Mund: "Menschheit, was tatst du dies?", der das Entsetzten angesichts des Völkermordes durch schrille Dissonanzen auch körperlich erfahrbar macht.