Besinnliche Stimmung in der Barmer Küchenoper

Besinnliche Stimmung in der Barmer Küchenoper

Weihnachts-Späschel macht es möglich: Intendant Thomas Braus gibt bei Dörte aus Heckinghausen Tipps zum Fegen.

Wuppertal. Eigentlich hat sich Dörte aus Heckinghausen auf besinnliche Weihnachtsstimmung mit ihren Familie und Freunden eingestellt, sie hat eine Glitzerspange ins Haar gesteckt und Glitzerstrümpfe angezogen, die ersten Geschenke packt sie auch schon aus. Im Grunde ist also alles bestellt in ihrer Barmer Küchenoper, um angemessen in die Weihnachtslaune zu gleiten. Wenn da nur nicht der nervige neue Hausmeister — Herr Pfleiderer — wäre, der als schwäbischer Putz-Gauwart durch das Haus der Jugend in Barmen fegt und Dörte zur adventlichen Kehrwoche bekehren möchte.

Das „Weihnachtsspäschel“ (neudeutsch: Weihnachtsspecial) der Barmer Küchenoper ist an diesem Sonntagabend gerade einmal ins Rollen gekommen, da droht der vorweihnachtlichen Stimmung ein vorzeitiges Ende. Der neue Hausmeister — alias Thomas Braus, im Hauptberuf Intendant des Wuppertaler Schauspiels — weiß mit seinem schwäbischen Übereifer aber auch jede weihnachtliche Stimmung wegzufegen. „Bei mir herrscht Ordnung“, sagt er, während er in der ersten Zuschauerreihe für selbige sorgt. Das schwäbische Motto laute nun einmal: „Schaffen, Sparen, Putzen“, erklärt der Herr Pfleiderer.

Dörte selbst möchte dem neuen Hausmeister am liebsten aus dem Weg gehen, doch das bleibt ein frommer Wunsch — gemeinsam mit Freundin Heidemarie (Birgit Pardun) läuft sie dem ordnungsliebenden Graukittel in die Arme. Der hält ihr denn auch prompt eine Standpauke wegen der Unordnung in ihrer Küche und gibt ihr anhand verschiedener Fege-Utensilien eine Kurzeinführung in das Einmaleins des richtigen Kehrens. Beim Treppenfegen gehe man am besten „in Achten“ über die Stufen, um den Dreck an den Rand zu kehren und dann aufzufegen. Das Interesse von Dörte und Heidemarie an diesen Tipps hält sich dann doch eher in Grenzen, gut nur, dass der Hausmeister bald wieder verschwindet.

Bedenklich ist allerdings, dass er ankündigt, noch einmal zu kontrollieren, ob Dörte auch richtig sauber gemacht hat. Da ist sie dann doch so geschockt, dass sie ernsthaft erwägt, im neuen Jahr „was Neues“ zu wagen. Vom Tal in die Höhen soll es gehen: „Ich zieh’ nach Ronsdorf“, singt Dörte. „Wo du trotz Alleinseins nicht einsam bist.“ Ein Glück, dass die Liebe zu Heckinghausen und den dort lebenden Menschen sie letztlich von dieser Radikalmaßnahme abhält.

Das das Programm der Küchenoper setzt auf laute und besinnlichere Töne. Dafür sorgt unter anderem Dörtes Mutti (Erika Theimann), die im Fernsehduett mit Bata Illic „Ein Herz steht nie still“ anstimmt. Da möchte Bruder Alexander Löwenherz (Björn Krüger) nicht hinten anstehen — er gibt den Schlager „Vergiss die Freude nicht“ zum Besten. Und für Boy-Group-Feeling und einige exaltierte Schreie sorgt der Auftritt der „Bergisch Boys“.

Da aber Weihnachten kurz bevor steht, wird auch dieses Ereignis angemessen gewürdigt. So wird ein „Schlagerwichteln“ in Dörtes Küche veranstaltet. Und ganz zum Schluss der mehr als zweieinhalbstündigen Veranstaltung (inklusive Pause) tritt der Kinderchor der Antoniusmusik auf, der unter der Leitung von Stefan Starnberger einige Weihnachtslieder singt.

Die rund 300 Zuschauer im fast komplett ausverkauften Saal sind auf jeden Fall von dem „Weihnachts-Späschel“ begeistert. Es wird eifrig mitgeklatscht, gesungen und auch geschunkelt. Und ganz zum Schluss lässt Dörte auch noch eine Welle durch die Zuschauerreihen gehen. Und wer dann immer noch nicht genug hat, der kann ja auf den Barmer Weihnachtsmarkt gehen. Eine entsprechende Empfehlung hat Dörte jedenfalls gegeben — als Lokalpatriotin weiß sie: das Schöne liegt gleich vor der Haustür. Hauptsache, der Hausmeister kontrolliert nicht wieder unter der Fußmatte.

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