Bergische Universität und Bühnen treffen sich zum Stadtgespräch

Bergische Universität : Digitale Spurensuche bei Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“

Das erste „Stadtgepräch“ von Uni und Bühnen stellte Germanisten-Projekt vor.

Die Bergische Universität thront hoch über der Stadt auf dem Grifflenberg. Am Donnerstagabend war die Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften zu Gast im Tal – zum ersten „Stadtgespräch“ mit den Wuppertaler Bühnen im Theater am Engelsgarten. Diese neue Kooperation soll einen „Brückenschlag versuchen zwischen wissenschaftlicher Arbeit und dem Kulturleben in Wuppertal“, so der Historiker Dr. Arne Karsten, der den Abend moderierte.

Im Zentrum der ersten Veranstaltung standen das Forschungsprojekt „Arthur Schnitzler digital“ und Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ als Prototyp dieser „detektivisch-philologischen Arbeit“, wie es Karsten formulierte.

Wie kam es zu diesem Projekt? Die Wuppertaler Universität sei zwar vergleichsweise jung, könne allerdings bereits auf eine beachtliche Tradition der Edition zurückblicken, erklärte Prof. Dr. Michael Scheffel. Und Schnitzler sei schließlich „einer der ganz großen Klassiker unserer Literatur“, ergänzte Prof. Dr. Wolfgang Lukas. Die beiden Professoren der Germanistik teilen eine Begeisterung für Schnitzlers Leben und Werk und leiten das Projekt in Kooperation mit britischen Universitäten bereits seit fünf Jahren.

Das Ziel sei, eine digital verfügbare historisch-kritische Ausgabe Schnitzlers zwischen 1905 und 1931 entstandener Werke herzustellen, von denen bislang nur sogenannte „Lese- und Volksausgaben“ existieren, so Lukas.

Die Online-Plattform bietet eine Vielzahl an Funktionen: Zusätzlich zum Originaltext können Schnitzlers zahlreiche Notizen und Überarbeitungen sowie Kommentare der Editoren eingeblendet werden. Somit erschließt sich der gesamte Schaffensprozess des Autors, anstatt nur die finale Version zu zeigen. „Da steckt wahnsinnig viel Arbeit hinter“, betonte Kathrin Nühlen, Mitarbeiterin des Forschungsprojekts. Schließlich habe das Material erst gesammelt, gesichtet und sortiert werden müssen.

Als Prototyp ist nun Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ online verfügbar. „Wir wollten nicht mit dem allerschwersten anfangen“, gab Wolfgang Lukas zu. „Fräulein Else“ sei vom Umfang her überschaubar und in relativ kurzer Zeit verfasst worden, weswegen nicht so viele Entwicklungsstufen vorlägen wie bei anderen Texten. Hinzu komme, dass dies einer von Schnitzlers prominentesten Texten sei.

Als nächstes stehen unter anderem die „Komödie der Verführung“, „Flucht in die Finsternis“ und in nicht allzu weiter Zukunft auch die bekannte „Traumnovelle“ auf dem Programm. „Das wird ein Hammer, glaube ich“, so Michael Scheffel. Denn hierbei seien die angedachten und wieder verworfenen Handlungskonzepte besonders vielfältig.

Julia Reznik, Darstellerin des Schauspielensembles der Wuppertaler Bühnen, schlüpfte zum Abschluss in die Rolle des Fräulein Else und erschloss in einer bewegenden szenischen Lesung das Innenleben der Figur, die Schnitzlers Freundin Stephanie Bachrach nachempfunden ist – vom Verlust ihres materiellen Wohlstands bis hin zu ihrem frühen Selbstmord.

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