Barock und Breakdance harmonieren bei Ben Wichert in Wuppertal

Tanz: Barock und Breakdance harmonieren bei Ben Wichert

Der Wuppertaler hat an der Hofaue seinen „Urban Art Complex“ mit vielen Workshops eröffnet.

Lebhafter Zuwachs an der Hofaue: In Nummer 46 hat „Urban Art Complex“ eröffnet – die Tanzschule von Ben Wichert, international erfolgreicher Hip-Hop-Star und Wuppertaler. Zum Einstand gab es gleich Workshops für Aktive und Kostproben für alle. Aber auch von der Atmosphäre war zwischen Performance und Gratisbuffet ein guter Eindruck zu gewinnen.

Dazu diente eine nicht selbstverständliche Kombination: „Dancing Bach“ basierte auf den „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach. Die Struktur des Barockwerks schien günstig für eine Schau wie heute: Besteht es doch aus 30 sehr verschiedenen Einzelstücken mit verbindender Basslinie und erlaubt so eine vielfältige Serie am laufenden Band. Unter Leitung der Tänzerin und Regisseurin Hanna Barczat bot sich so ein Querschnitt durchs Spektrum, der sich bestens sehen lassen konnte. House, Afro Dance, Street Dance mit Raha Najed – all das und mehr wird schon ab dieser Woche auch auf dem Sundenplan stehen.

Medaillen von Wichert zieren die sonst noch weißen Wände

Ob Barock und Breakdance sich nicht beißen? Bei der Ernsthaftigkeit von „Dancing Bach“ verflog der Zweifel schnell. „Ich war in neuen Ländern, doch ich blickte zurück“: Diese Einleitung gab den inhaltlichen Rahmen und entsprach auch insgesamt dem Tonfall. Im Kollektiv oder einzeln legten junge Tanzende ihr Können vor – genau abgestimmte Kurzauftritte, Bewegungen, auch kleine Szenen. Drei Hip-Hopper interpretierten eine der Bach-Varianten mit synchronen „Moves“ der zackigen Art, während Tänzerinnen mit fließender Bewegung dagegenhielten. Szenetypische Bilder folgten der Ansage „Ich lobe den Tanz“: Sprünge in Breakdance-Manier, Drehungen auch auf dem Kopf boten Hingucker und sorgten für schlagartigen Applaus. Akteurinnen zogen aber auch mit ausdrucksstarker Dramatik die Blicke auf sich.

Am Eröffnungsabend herrschte heitere Aufbruchstimmung. Volles Haus – auch mit Besuchern aus der Gegend, die ja ein eigenes Biotop ist. Das meint nicht die Bordelle, aber den Mix aus Ateliers, „RockStore“, Kampfsport. Sebastian Baron, Chef des etablierten Kampfsportstudios gegenüber, war unter den Eröffnungsgästen; in der Gegend war er Wichert schon bekannt, als dieser auf den Leerstand stieß. Ein Vormieter war ein bekanntes Inkassobüro – das ist Vergangenheit. Typisch neu: Noch kalkweiß waren die Wände, die Räume reine Funktionsträger. Unschwer etwa zu erkennen, wo künftig trainiert wird, auch wenn man nicht zur Zeit der Workshops gekommen war. Auffällig wiederum der einzige Schmuck: Zahlreiche Medaillen und Urkunden an Wänden, in Vitrinen feierten den Hausherrn. Ben Wichert, lernte man, war schon „SDK Europe Wold Hip Hop Champion“, Hip-Hop Freestlye-Weltmeister und hat quer durch die Welt Meisterschaften gewonnen. Im Gespräch zeigt er sich aber entspannt und ganz allürenfrei. Tanzangebote im Tal hat Wichert früher selbst vermisst: „Als ich etwas jünger war, war ich immer auf der Suche danach. Da gab es hier nicht so viel.“ Ob mit Ambition oder mehr als Hobby: Die Eröffnung lässt hoffen, dass er das jetzt ändert – glaubhaft und gekonnt begann an der Hofaue sichtlich ein neues Kapitel.

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