Barock: Die perfekten Töne für den Sommer

Immanuelskirche: Wolfgang Kläsener, Christoph Ritter und das Uni-Orchester feierten Händel.

Wuppertal. Um sein Oratorien-Publikum mit Zwischenspielen zu fesseln, spielte Georg Friedrich Händel, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 250. Mal jährt, improvisierend auf der Orgel. Davon ausgehend schrieb er Konzerte für Orgel und Orchester, die ersten dieser Gattung.

Aus den sechs Werken des Opus 4 stellen das Orchester der Bergischen Universität, Christoph Ritter und Wolfgang Kläsener am Samstagabend vier Konzerte vor. Die Abendsonne, die durch die bunten Glasfenster der Immanuelskirche schillernde Farben auf die frisch renovierten Wände zaubert, verbündet sich mit Händels Musik. Denn was das zeitgenössische Publikum in der Barock-Zeit unterhielt, ist auch heute noch eine wunderbar entspannende, leicht konsumierbare Musik.

Den kammermusikalischen Charakter unterstreichen das Orchester in kleiner Besetzung und der Einsatz kleiner Truhenorgeln mit wenigen Registern. Kläsener, der zwei Konzerte vom Orgeltisch aus leitet, hat die Studenten zum barocken Spiel angeleitet: Kurz nehmen sie die Phrasen, verzichten auf allzu starkes Vibrato, stellen den Soli-Tutti-Charakter mit seinen Hell-Dunkel-Wirkungen anschaulich heraus. Die verzögerten Schlüsse gelingen einheitlich. Da verzeiht man kleine Griff-Fehler bei den Violinen, hört über leichte Intonationstrübungen einfach hinweg.

Die Rolle der Orgel ist oft solistisch wie etwa im Allegro-Satz des dritten Konzertes. Ritters Spiel wirkt hierbei leicht nervös, die auffälligen Temposchwankungen kann man nicht mit agogischen Freiheiten entschuldigen.

Solo-Violine und Solo-Cello meistern ihre Rollen im ersten und dritten Satz mit viel Spielfreude, hierbei fundiert die Orgel sicher als Generalbass-Instrument. Das F-Dur-Konzert (Nr. 5) schließlich, dem die Blockflötensonate (op.1 Nr. 11) zugrunde liegt, enthält einen wiegend-schreitenden Siciliana-Tanz des Orchesters und schließt mit langer Orgel-Passage in kraftvollem Presto, die Kläsener versiertspielt.

Wie im Flug vergeht die von dezenter Klangkultur beherrschte Stunde mit Händels luftiger und leichter Barockmusik und entlässt beschwingt in den sommerlichen Abend.

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