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„Bach in London“: Die Stunde der Orgel

„Bach in London“: Die Stunde der Orgel

Wolfgang Kläsener und die Kantorei Barmen-Gemarke setzen kraftvolle Klang-Akzente.

Wuppertal. Bachwerke mit englischer Kathedralmusik zu kontrastieren und einem I-Tüpfelchen französischer Orgelsinfonik zu würzen — das wagte Wolfgang Kläsener, der künstlerische Leiter der Wuppertaler Orgeltage, im fünften Konzert „Bach in London“ in der Immanuelskirche. Gleichzeitig war es das erste der Kantorei Barmen-Gemarke, die gerade zur Israel- Reise gestartet ist, in der neuen Saison.

Als Organist stieg Kläsener mit dem gewaltigen Präludium und Fuge in e-Moll (BWV 548) ein — eindrucksvoll und in flottem Tempo auf der großen Schuke-Orgel vorgestellt. Das a-Moll-Concerto nach einem Vivaldi-Konzert (BWV 593) mit seinen farbenreichen Stimmen erklang leicht, kantabel und reizvoll gestaltet. Zwischen beiden Orgelwerken stand die große Bach-Motette „Jesu, meine Freude“ (BWV 227) für Chor und Basso Continuo auf dem Programm. Unter dem motivierenden Dirigat von Kläsener sang die Kantorei die drei- fünfstimmigen Sätze mit dem ausdrucksvollen, mit unterschiedlichen Texten häufig wiederholten Choral sicher und hob dramatische Szenen mit deutender Dynamik hervor.

Sicher gelang die fünfstimmige Doppelfuge an zentraler Stelle „Ihr aber seid nicht fleischlich“, die große Konzentration der Chorsänger erforderte. Die Continuo-Gruppe (Thomas Grunwald, Orgel, Dietmar Wehr, Kontrabass, Roland Schwark, Violoncello) setzte dabei gestalterische Akzente.

Auch in den englischen Kathedralmusiken in spätromantischer Tradition von Charles Villiers Stanford und Henry Balfour Gardiner glänzte der Chor mit homogenem Klang, weicher Dynamik und deutlicher Artikulation. Thomas Grunwald war hier ein einfühlsamer Begleiter an der Orgel.

Mit den „Carillon de Westminster“ von Louis Vierne (op. 54,6) setzte Wolfgang Kläsener einen Akzent mit französischer Orgelmusik: Die vier Töne des Big-Ben-Glockenmotivs als rhythmisch ostinates Thema phrasiert Vierne kunstvoll und transformiert es gegenläufig. Kläsener zeigte die Wandlungen in facettenreichen Registrierungen und mit geschickt eingesetztem Schwellwerk. Machtvoll wie eine Toccata verklang das Thema im vollen Orgelklang mit dem gewaltigen Schlagen der Stunden.