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Axel Eichhorst stellt beim Neuen Kunstverein aus

Axel Eichhorst stellt beim Neuen Kunstverein aus : Seine Bilder eröffnen vielfältige Räume

Bettina Paust ist begeistert: „Seine Gemälde mit ihren Farbräumen eröffnen imaginäre Räume, ziehen den Betrachter hinein, so dass er vielfältige Assoziationen hat. Das bewegt mich sehr“, schwärmt die Leiterin des Kulturbüros für die Werke von Axel Eichhorst.

Erklärt zugleich, warum sie ihn eingeladen hat, seine Bilder beim Neuen Kunstverein zu zeigen. „Wide open“ heißt die Ausstellung des  Berliners, die am Freitag (weit) eröffnet wurde. Er ist der  erste von insgesamt zehn Künstlern, die nacheinander zehn Schauen in dem Raum an der Hofaue bespielen. Kuratiert von zehn Personen aus dem nahen und fernen Kunstbetrieb. Der   Kunstverein feiert so sein zehnjähriges Bestehen.

Im Mai 2010 fand die erste Ausstellung beim „Neuen Kunstverein“ statt. Unter dem Titel „Wir laden ein“ wählten Vereinsmitglieder Künstler aus, um ihre Ideen über zeitgenössische Kunst vorzustellen. Diese kuratorische Einbeziehung wurde Kennzeichen der Ausstellungstätigkeit des Kunstvereins. „Das wollen wir zum Jubiläum als Gabe weiterreichen und so auch das Netzwerk erweitern“, erklärt Erik Schönenberg vom Vereinsvorstand das Konzept der Jubiläumsausstellungen. Corona verhinderte den Start im Mai, vereitelt einen Festakt. Stattdessen wurde bis vor kurzem wöchentlich der Fensterbereich bespielt, so dass eine Art Ausstellungsbesuch ohne Betreten des Raums möglich war.

Nun startet die Ausstellungsreihe etwas später und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Maximal 19 mit Mund-Nase-Schutz ausgerüstete Besucher dürfen gleichzeitig in dem schmalen, hohen Raum sein, jeder schreibt seine Kontaktdaten beim Eintritt auf, verlässt die Schau durch den Hinterausgang. Schönenberg freut sich, dass die erste Ausstellung seit der Coronakrise von einem Künstler gestaltet wird, der hier erstmals seine Bildserie „Revelations“ öffentlich präsentiert – außerhalb seines Ateliers in einer Fabrik im Wedding.

Axel Eichhorst, Jahrgang 1968,  studierte Bildende Kunst und Film, arbeitet seit 1997 als Bildender Künstler sowie Storyboard- und Concept-Artist für Fimproduktionen in der Bundeshauptstadt. 2008 begann er mit der Arbeit an seinen Offenbarungen, die ihn weg  vom figurativen Malen führte, weil ihn das in einer von Bildern überschwemmten Welt nicht mehr überzeugte. Er suchte nach einer anderen Form von Wahrheit, will keine Geschichte erzählen, sondern Gefühle sprechen lassen  - groß, abstrakt, minimalistisch, farbig und flächig. In einem intimen, meditativen Prozess, der mit dem Nachspüren beginne.   Um „im Empfindungsbad eines Tages“ herauszufiltern, was ihn wirklich bewege. Eine Nachricht vielleicht, die Wut in ihm aufsteigen ließ - die nun in einem breiten trapezartigen roten Farbverlauf des Bildes „Surging“ seinen Ausdruck fand.

Pure, minimalistische Malerei
gibt Gefühlen eine Form

Doch der Reihe nach: Ist ein Gefühl ausgemacht, erhält es eine Form, die  er mit Bleistift auf ein kleines Blatt zeichnet, von außen nach innen arbeitet. Derweil sich im Kopf schon die passende Farbe meldet. Die Zeichnung wird dann, immer noch im kleinen Format, mit Aquarell, Gouache oder auch Acryl, „gefüllt“. Weil die Gefühle aber Platz brauchen, um wahrgenommen zu werden, um einen eigenen Körper zu erhalten, bringt Eichhorst sie schließlich mit Ölfarbe auf mehrere Meter große Leinwände. In mehreren Schichten, die er mal zügig, mal nach  längeren  Pausen aufträgt. In präzisen, abstrakten Formen, die an ein Labyrinth, ein Kreuz, einen Pfeil oder einen beflügelten Korpus erinnern können. Mal knallig bunt, mal pastellig zart. Er gibt ihnen Namen, die sein Gefühl beschreiben („floating“, „soft“ oder „jolly“). Eine Information und ein Angebot an den Betrachter, „der das  natürlich anders sehen kann.“

Bettina Paust ist mit Eichhorst befreundet, er zeigte ihr die „Revelations“-Bilder bei einem Besuch 2018. Sie war begeistert von der „puren Malerei ohne Schnickschnack, die sich der Betrachter selbst erschließen kann“. Sie erinnerte sich ihrer nun. Zehn Bilder brachte Eichhorst nach Wuppertal, neun präsentiert er nach intensiver Hängungsvorarbeit in dem nicht einfachen Raum im Kolkmannhaus. Jedes steht für sich selbst und tägt doch seine Handschrift. Vier bilden eine Wand, verschmelzen zum Objekt, andere hängen für sich, wie Altäre in den Nischen des Raums.  „Ich freue mich wahnsinnig auf die Ausstellung“, ist Eichhorst auf die Reaktionen der Besucher gespannt.