Auszeichnung für Verfilmung von Jochen Rauschs „Krieg“

Auszeichnung: Auszeichnung für Verfilmung von Jochen Rauschs „Krieg“

„Fremder Feind“ wird beim Fernsehfilm-Festival zum besten Film des Jahres gekürt.

Die Jury des FernsehFilm Festivals Baden-Baden 2018 hat den Fernsehfilm „Fremder Feind“ als besten Fernsehfilm des Jahres ausgezeichnet. Der Film basiert auf dem Roman „Krieg“ des Wuppertalers Jochen Rausch. „Krieg“ ist bereits 2013 erschienen und das dritte Buch von Rausch, der seit 2015 die Breitenprogramme des WDR-Radios (1Live, WDR 2 und WDR 4) leitet und stellvertretender Hörfunkdirektor des WDR ist.

Film und Buch beginnen in den verschneiten österreichischen Bergen und erzählen im rasanten Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart von den Folgen eines familiären Dramas: Arnold Stein (im Film: Ulrich Matthes) hat sich mit seinem Hund in eine abgelegene Berghütte zurückgezogen. Dort sucht er, was er nicht finden wird: Frieden. Die Ehe mit seiner Frau Karen (Barbara Auer) ist zerbrochen, als ihr Sohn Chris bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan getötet wurde. Karen flieht in den Alkohol, Arnold in die Berge. Vom ersten Tag an beginnt ihn ein gesichtsloser Fremder zu terrorisieren. Arnold, ein überzeugter Pazifist, greift zur Waffe.

Das vielschichtige TV-Drama
lebt vom Drehbuch

Das alles erzählt Rausch in einem fast lakonischen, wortkargen Ton, schnörkellos und mit Luft für Bilder im Kopf. Erster Absatz des Romans: „In den Nächten hört er Schüsse, wenn es denn Schüsse sind. Manchmal hört er auch Schreie. Aber wenn Arnold die Tür aufzieht, nicht weiter als einen Spalt nur, dann sind da nichts als die Dunkelheit und das Rauschen des Waldes, das harmlose Gluckern des Bachs und ein gelegentliches Knacken im Geäst. Hin und wieder schwingt sich ein Vogel auf und schlägt mit den Flügeln. Seit Arnold auf dem Berg ist, verging nicht eine Nacht ohne Schüsse und Schreie.“

Aus der Vorlage hat Regisseur Rick Ostermann ein vielschichtiges Drama gemacht, das aber vor allem vom Drehbuch der Grimme-Preisträgerin Hanna Hollinger lebt. Die lässt dem wortkargen Kammerspiel von Ulrich Matthes den Raum, den Rauschs ungeschwätziger Text verlangt, und behält die wilde Szenen-Fahrt mit ihren ständigen Zeiten-Wechseln bei. Dass der Film unter dem Namen „Fremder Feind“ statt unter „Krieg“ läuft, könnte man mit dem veränderten Ende begründen; in Wahrheit zielt der Titel mehr auf die dramaturgische Handlung als auf Rauschs Meta-Thema vom inneren Krieg an der Heimatfront ab.

Bis auf eine einzige Szene sind in dem Film (noch nicht einmal im Abspann) keine Hinweise auf Rauschs Urheberschaft zu finden. Dafür taucht Rausch selbst auf – als Handyfoto des fremden Feinds, das Arnold von Anna kurz vor dem Showdown des Films gezeigt wird. Die Jury des Festivals, das von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ausgerichtet wird, war von der filmischen Umsetzung begeistert: „Ein Vater flieht vor seinem Familientrauma an den denkbar entlegensten Ort – um ausgerechnet dort vom Trauma eingeholt zu werden ... Drehbuch, Regie, Kamera, Musik und alle anderen Gewerke verabreden sich zur präzisen aber immer filmischen Erzählung einer Trauerarbeit. Ulrich Matthes und Barbara Auer öffnen sich in ihrem Spiel auf schmerzhaft ehrliche Weise, um den Film, bei aller visuellen Größe, zu einer emotionalen Reise zu machen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung