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Aus der Dunkelkammer ins Rampenlicht

Aus der Dunkelkammer ins Rampenlicht

Ein Leben lang hat Marcpierre fotografiert, erst seit zwei Jahren mit wachsendem Erfolg.

Wuppertal. Wenn Marc Pierre Müller von seinem Leben als Künstler erzählt, ist ein Satz allgegenwärtig: "Das hat sich so ergeben." Es ist die Antwort auf die Frage, wieso ein studierter Maschinenbauingenieur erst jahrelang mit Computern arbeitet und dann urplötzlich als Fotograf erfolgreich ist. Oder auch darauf, warum der überzeugte Düsseldorfer ausgerechnet in Wuppertal arbeitet. Sogar bei der Wahl der Motive ergeben sich die Dinge für ihn bisweilen von allein.

Der Schritt vom Ingenieur Müller zum Fotokünstler "Marcpierre" ist dabei wirklich ein kleiner, er ist mit der Kamera groß geworden. Schon als Junge von zwölf Jahren hat er in der väterlichen Dunkelkammer Filme entwickelt - und fortan auch seine eigenen Bilder gemacht. Aus der klassischen Spiegelreflex Petri TTL 2 ist heute zwar eine digitale Canon EOS 5D geworden - doch davon abgesehen hat sich seine Arbeitsweise kaum verändert. "Ich habe meine Bilder nie bearbeitet", sagt er. Keinen Bildausschnitt verändert, weder Kontraste noch Farben angerührt, nichts retouchiert. Sein sicheres Auge, das ist sein Kapital.

Nur einmal, für seine erste Ausstellung, da hat er Pop-Art wie Warhol gemacht, kontrastreich und künstlich. Seitdem spürt Marcpierre lieber der Wirklichkeit nach. Vor allem das Verfallene, Morbide, Raue hat es ihm angetan. Sein jüngster Zyklus, "Banalitäten", enthüllt Ausschnitte des Alltäglichen. Ein Fensterladen, von dem die Farbe blättert, ein vergittertes Fenster in einer Backsteinmauer, skurrile Gerüst-schatten auf einer Hauswand - das genügt. 1990 fand er in einer Oldtimerzeitschrift den Hinweis auf einen Autofriedhof in Schweden. Er fuhr hin und fing idyllische Stillleben aus Lack und Rost ein. 2006 kehrte er zum dritten Mal dorthin zurück, um die Zeichen der Zeit zu dokumentieren.

Vor zweieinhalb Jahren lernte Marcpierre Thorsten Hamer kennen, der das Leo-Theater in Langerfeld gegründet hat. Der wollte Portraits von dem Düsseldorfer haben. Erst zierte sich der Eigenbrötler - "ich habe eigentlich nie Menschen fotografiert" - aber dann machte er es doch.

Die Folgen waren gewaltig. Heute hat sich der 43-Jährige ein Atelier im zweiten Stock neben Hamer’s Theater eingerichtet, seine Arbeiten haben im Publikum viele Freunde gefunden. Und er hat die Bühnenfotografie entdeckt: "Die Schauspielerei fasziniert mich, und die Herausforderung, im Dunkeln zu arbeiten."

Und wenn er mal nicht in fremdem Auftrag unterwegs ist, lebt er den eigenen Spürsinn aus, streift zum Beispiel durch die Brachen von Garzweiler und fasst die Melancholie der Ruinen in Bilder. Oder er knüpft an die "Banalitäten" an. Der neueste Zyklus heißt "Alltagsabstraktionen" und enthält sorgfältig konstruierte, oft geometrisch wirkende Details. Diesmal aber in Farbe, und mit etwas Humor betitelt: Der Rührbesen vor dem Karo-Fliesen heißt "Schaumschläger", die Maschinen-Schalttafel "Schlüsselstellung." Und woher kommen die Ideen dafür? Wer Marcpierre kennt, wird es erraten. "Das hat sich so ergeben."